Hintergrund


Apple plant Kreditkarte

11 Mai 2018 | aktualisiert 15 Mai 2018

Weil Apples Bezahllösung Apple Pay weniger gut läuft als gewünscht, plant der Telefonhersteller nun auch eine Kreditkarte. Dafür spannt er mit Goldman Sachs zusammen. Auch bei der Investmentbank laufen die Kerngeschäfte weniger gut als in der Vergangenheit.

Boston. Der Silicon Valley-Titan Apple und der Wall Street-Riese Goldman Sachs wollen gemeinsam eine neue Kreditkarte anbieten. Die Karte stellt einen großen Schritt in Apples Bestreben dar, mehr Einnahmen aus Dienstleistungen zu generieren, da die iPhone-Verkäufe nachlassen. In Verbindung mit Apple Pay würde die Karte Anreize für Kunden bieten, die damit für Streaming-Musik, Apps und andere Einkäufe auf Apple-Plattformen bezahlen.

Apple Pay zahlt sich nicht aus

Im vergangenen Jahr haben nur 13 Prozent der iPhone-Nutzer Apple Pay aktiviert, schätzt der Marktforscher Loup Ventures. Das liegt zum Teil daran, dass Apple Pay der Konkurrenz von Samsung Pay, Googles Android Pay und noch mehr Wettbewerbern in China ausgesetzt ist. Apple strebt an, sein Dienstleistungsgeschäft in den nächsten zwei Jahren von rund 24 Milliarden Dollar (20 Milliarden Euro/24 Milliarden Franken) im Jahr 2016 auf 50 Milliarden Dollar zu verdoppeln.

Für Goldman Sachs ist die Karte der aktuellste Schritt ins Privatkundengeschäft, um die seit der Finanzkrise 2008 gesunkenen Erträge aus dem Wertpapierhandel auszugleichen. Die Investmentbank hat sich zum Ziel gesetzt, 5 Milliarden Dollar mit neuen Geschäftsmodellen zu generieren. „Dies könnte Apple zwar helfen, die Akzeptanz der Apple Pay-Plattform zu steigern, aber es könnte ein viel größerer Deal für Goldman Sachs sein“, schreibt Motley Fool, ein Portal mit Nachrichten und Analysen zu Investments.

Viele Möglichkeiten

Apple und Goldman Sachs diskutieren jetzt die Details für einen geplanten Start Anfang nächsten Jahres, so das „Wall Street Journal“. Diese Details würden beinhalten, wie viel Apple und Goldman Sachs an Kreditkartengebühren einnehmen könnten, wie viel Goldman Sachs Apple für jede in Auftrag gegebene Karte bezahlen könnte und andere Fragen. Goldman Sachs könnte auch ein Programm mit Apple entwickeln, um den Kauf von Smartphones und anderen Geräten zu finanzieren.

Im vergangenen Jahr haben amerikanische Verbraucher 200 Milliarden Dollar unter Verwendung von Marken-Kreditkarten oder unternehmenseigener Finanzierung ausgegeben, heißt es vom Beratungsunternehmen First Annapolis. Rund 80 Milliarden Dollar davon sind auf langfristige Zahlungen entfallen, was lukrative Zinszahlungen für die Gläubiger bedeutete.

Amazon arbeitet mit Visa zusammen

Apple wird Berichten zufolge seine derzeitige Kreditkartenbeziehung mit der britischen Bank Barclays als Teil des neuen Modells beenden. Diese Karte bietet zinslose Einkäufe von Apple-Produkten über 18 Monate und Punkte, die für Apple-Geschenkkarten eingelöst werden können. Zwar haben Apple und Goldman Sachs die Meldungen noch nicht gegenüber den Medien kommentiert, sie könnten jedoch in die Fußstapfen anderer Technologieunternehmen treten.

Amazon hat zum Beispiel mit der Chase Bank eine Visa-Karte eingeführt, die Kunden von Amazon Prime und der Supermärkte von Whole Food mit Punkten für ihre Einkäufe belohnt. Aber man muss 12,99 Dollar pro Monat für Amazon Prime zahlen, eine Steigerung von 2 Dollar im Vergleich zum letzten Jahr.

Es gibt aber auch eine Kehrseite bei vielen Unternehmen, die in das Kreditgeschäft einsteigen. JPMorgan Chase meldete kürzlich einen Verlust von 200 Millionen Dollar mit seiner Sapphire Reserve-Kreditkarte, die für Kunden mit höherem Einkommen entwickelt wurde. Für die Karte war eine Gebühr von 450 Dollar notwendig, sie hat aber auch umfassende Anreize für die Kunden geboten. Der Markt für Kreditkarten sei einfach sehr umkämpft, meint Matt Schulz, leitender Analyst bei CreditCards.com, gegenüber der „New York Times“. „Es wird interessant sein zu sehen, was diese beiden Marken tun können, um etwas zu schaffen, das mehr Aufsehen erregt.“