Hintergrund


Apple will mit Spielberg drehen

11 Oktober 2017 | aktualisiert 12 Oktober 2017

Apple fordert nun auch Netflix und andere Filmanbieter heraus. Er hat mit Steven Spielbergs Produktionsfirma Amblin eine Vereinbarung über die Produktion einer Fernsehserie geschlossen. Andere Serien werden weiter im Apple Store angeboten.

Boston. Apple wagt den Konkurrenzkampf mit den Großen der Videobranche in den USA. Wie Netflix und andere will der iPhone-Hersteller eigene Serien produzieren und sie per Videostreaming an die Kunden vermarkten. Dazu wurde laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ eine Partnerschaft mit NBC Universal und Steven Spielbergs Produktionsgesellschaft Amblin Television geschlossen. Geplant ist eine Neuauflage der in den 80er Jahren aufgelegten Fernsehserie „Amazing Stories“ mit Folgen, die Science-Fiction, Fantasy bis Horror zum Inhalt haben. Spielberg hatte damals viel Erfolg damit. 

Jennifer Salke, Präsidentin der Unterhaltungsabteilung von NBC, lobte die neue Partnerschaft in höchsten Tönen. Sie könne sich nichts Besseres vorstellen, als die Neuauflage der „geliebten Amazing Stories von Spielberg“. Apple nahm zur der Meldung nicht Stellung.

Herausforderung an Netflix

Die Partnerschaft und das Projekt eigener Videoinhalte ist eine direkte Herausforderung an Amazon, YouTube von Google, Hulu und besonders Netflix, das seinen Videodienst mit der Produktion eigener Inhalte zum Blühen brachte. Apple möchte mit den eigenen Produktionen ein größeres Stück vom Kuchen des Videomarktes. Das Unternehmen will seinen Umsatz mit Musik und Video in den nächsten drei Jahren auf 50 Milliarden Dollar (42,28 Milliarden Euro / 48,7 Milliarden Franken) verdoppeln.

Steven Spielberg, der Schöpfer von Erfolgsfilmen wie „Der weiße Hai“, „E.T.“, „Schindlers Liste“, „Jurassic Park“ und anderen, hatte das Original der „Amazing Stories“ produziert. Er könnte über seine Amblin Studios auch Produzent der neuen Staffel werden. Jede Folge soll dabei über fünf Millionen Dollar kosten, etwas mehr als die Serienfolgen von Netflix und anderen großen Anbietern.

Spielberg bekommt Hilfe

Spielberg wird als Produktionschef nicht allein sein. Apple hat den Hollywood- Produzenten Zack Van Amburg und Jamie Erlicht eine Milliarde Dollar für die Produktion von Shows gegeben und sie damit von Sony weggelockt.

Sie helfen, „Breaking Bad“ zu schaffen, eine populäre Serie über einen Chemielehrer, der zum Drogendealer wird. „Es ist wunderbar, wieder mit unseren Kollegen Zack und Jamie in ihrer neuen Stellung bei Apple zusammenzuarbeiten“, sagte NBCs Salke. Apple hat kürzlich auch die Rechte an einer geplanten Comedy-Serie für das Vormittagsfernsehen mit den Stars Jennifer Aniston und Reese Witherspoon erworben.

Vertriebsweg noch unklar

Apple steht aber auch vor Herausforderungen. Noch ist nicht klar, ob die eigenen Produktionen wie bisher andere Inhalte über iTunes angeboten werden sollen. Um mehr Zuseher anzulocken, müsste das Unternehmen eigentlich eine neue Videoplattform gründen, auf der auch andere Inhalte und Filme aus den Archiven abzurufen sind. Der Aufbau eines solchen Videodienstes würde allerdings eine Milliarde Dollar kosten, schätzt Peter Kafka von Recode, einem Nachrichtendienst aus dem Silicon Valley.

Kafka fragte sich, ob der ganze Plan lediglich eine Marketingaktion für Apples iPhones, Tablets und PCs sei. „Das wäre eine eigenartige Verschwendung von Zeit und Geld“, schrieb er. „Oder wird an einem neuen Abonnementsdienst gearbeitet, bei dem diese Inhalte nur ein Teil des Angebots wären?“

Apple produzierte Flops

Zum anderen ist nicht klar, ob sich der frühere Erfolg von „Amazing Stories“ wiederholen lässt. Damals trugen Hollywood-Größen wie Clint Eastwood, Martin Scorcese und Kevin Costner als Regisseure zum Erfolg bei. Und mit zwei Eigenproduktionen hatte Apple bisher nur wenig Erfolg: „Planet of the Apps“, bei dem App-Entwickler gegen einander kämpfen. Und „Carpool Karaoke“, eine Show mit singenden Menschen in Autos.