Hintergrund


Horrorfilm wird beinahe Realität

09 Oktober 2017 | aktualisiert 09 Oktober 2017

Im Februar 2016 entführte ein deutschstämmiger Mann eine deutsche und eine brasilianische Rucksacktouristin in Australien. Jetzt sprachen die beiden Frauen zum ersten Mal über ihr Martyrium. Vor allem der Mut der Deutschen rettete den Frauen das Leben.

Sydney. Ihr Facebook-Profil lässt einen noch glauben, Lena Rabente hätte die schönste Zeit ihres Lebens in Australien verbracht. Ihr Profilbild zeigt sie mit einem Känguru, einer der zahlreichen einsamen Strände Australiens ist zu sehen. Doch genau solch ein Strand wäre der jungen Deutschen im Februar 2016 beinahe zum Verhängnis geworden. Nun redet sie darüber.

Mit Horrorfilm verglichen

Damals wollte sie – genau wie die junge Brasilianerin Beatriz (Nachname nicht veröffentlicht) – von der südaustralischen Stadt Adelaide nach Melbourne. Die beiden jungen Frauen nahmen das Mitfahrangebot des deutschstämmigen Roman Heinze an, der 1959 zusammen mit seinen Eltern und zwei Brüdern aus Westdeutschland nach Australien ausgewandert war.

Doch etwa 200 Kilometer von Adelaide entfernt fuhr Heinze mit den beiden jungen Frauen an einen einsamen Strand. Dort baute er ein Lager für die Nacht auf und lockte die junge Brasilianerin mit dem Versprechen weg, ihr Kängurus zu zeigen. Doch weit genug vom Lager und von Lena entfernt, griff der fast zwei Meter große, muskulöse Mann die junge Urlauberin an und riss ihr die Kleidung vom Leib. Mit einem Hammer und einem Messer bewaffnet, wollte der Mann die junge Frau fesseln.

Mehrere australische Medien verglichen den Vorfall, der sich in einer Region mit dem Namen Salt Creek ereignete, tatsächlich mit dem australischen Horrorfilm „Wolf Creek“, in dem ein Mann Urlauber im Outback jagt. Der Film aus dem Jahr 2005 basiert teilweise auf wahren Ereignissen.

Deutsche wird mit Hammer niedergeschlagen

Bei dem Vorfall in Salt Creek konnten die beiden Frauen jedoch Schlimmeres verhindern. So gelang es der Brasilianerin, Heinze wieder in Richtung Lager zu locken, indem sie ihm vorgaukelte, bei seinen sexuellen Avancen mitmachen zu wollen. Näher am Lager rief sie Lena um Hilfe, die ihre Freundin nackt und gefesselt in den Dünen sah. Daraufhin ging der 61-jährige Heinze jedoch mit dem Hammer auf die junge deutsche Frau los. Mehrmals schlug er auf sie ein, traf sie am Kopf. Schwer verletzt versuchte die 25-Jährige zu fliehen. Doch der wütende Mann fuhr ihr in seinem Geländewagen etwa einen Kilometer hinterher und rammte sie vier Mal mit seinem Frontschutzbügel.

Kurzentschlossen rannte die zierliche Frau auf das Auto zu, sprang auf die Motorhaube, hielt sich an der Antenne fest und kletterte aufs Dach. Doch Heinze stieg aus und versuchte selbst, mit dem Hammer aufs Dach zu klettern. Rabente wehrte ihn mit Tritten ab, worauf Heinze wieder ins Auto stieg und anfing, über die Dünen zu rasen. Er versuchte, die junge Frau, die bereits viel Blut von ihrer Wunde am Kopf verloren hatte, vom Dach zu werfen.

In der Zwischenzeit gelang es der Brasilianerin, die nackt durch die Dünen rannte, eine Gruppe Fischer im Auto zu stoppen. Diese gaben ihr eine Jacke, informierten die Polizei und gingen mit ihr auf die Suche nach der jungen Deutschen. Auch Rabente wurde letztendlich von Fischern am Strand gerettet. Als sie später mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde, war sie bewusstlos.

Australier feiern deutsche Urlauberin

Heinze versuchte noch zu fliehen, blieb jedoch mit seinem Geländewagen im Sand stecken und konnte verhaftet werden. Im Mai wurde der deutschstämmige Australier, dem noch weitere Delikte vorgeworfen werden, von einem australischen Gericht zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt – ein Urteil, gegen das er inzwischen Berufung eingelegt hat.

Für Beatriz und auch für viele in Australien ist Rabente eine Heldin. „Sie hat mich mit Sicherheit gerettet“, sagte die Brasilianerin. Eine Facebook-Nutzerin schrieb: „Ich kann nicht glauben, wie Lena dieses Tier bekämpft hat, vor allem, nachdem er sie mit dem Hammer geschlagen hatte.”