Hintergrund


Italienischer Journalist in türkischer Haft

21 April 2017 | aktualisiert 21 April 2017

Seit nun fast zwei Wochen sitzt der italienische Journalist und Menschenrechtler Gabriele Del Grande ohne Anklage in türkischer Haft. Er wurde bei Interviews mit Flüchtlingen an der syrischen Grenze verhaftet. In Italien mehren sich die Proteste.

Florenz. Am Freitagvormittag kam erste vorsichtig optimistische Nachricht: Einer Kommission des italienischen Konsulats in Begleitung eines Rechtsanwalts wurde eine Visite beim eingekerkerten italienischen Journalisten Gabriele Del Grande eingeräumt. Außenminister Angelino Alfano teilte in einer Presseerklärung mit, der Häftling befinde sich in einem zufrieden stellenden Zustand, unter Begleitung eines Arztes sei er seit drei Tagen im Hungerstreik aus Protest gegen seine ungerechtfertigte Inhaftierung. Die italienischen Verantwortlichen bemühten sich um baldige Freilassung.

Tagelang vermisst 

Gabriele Del Grande hatte sich in der türkischen Provinz Hatay an der Grenze zu Syrien aufgehalten. Dort interviewte er – mit ordentlichen Papieren ausgestattet – Flüchtlinge, die aus den bedrohten syrischen Städten Homs und Aleppo ihr Heil im Grenzübertritt suchten. Türkische Sicherheitsbeamte nahmen den auch als Menschenrechtsaktivisten bekannten Journalisten fest, inhaftierten ihn zunächst in einem Gefängnis in Hatay, später im westtürkischen Mugla. Weder wurden dem Gefangenen Gründe für die Festsetzung genannt noch bislang eine offizielle Anklage gegen ihn erhoben. Tagelang war über sein Verbleib nichts bekannt.

Rechte vehement verletzt

Der Besuch der türkisch-syrischen Grenze war nicht die erste Aktivität, mit der Gabriele Del Grande auf die Problematik der Flüchtlinge und auf Menschrechtsverletzungen in diesem Zusammenhang aufmerksam machen wollte. Bereits vor längerem konstatierte die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, Del Grande sei einer der ersten gewesen, die auf die Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer aufmerksam gemacht hätten. 2010 wurde er für seine Aktivitäten mit dem Menschenrechtspreis der deutschen Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl ausgezeichnet.

Diesmal wollte er syrische Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei interviewen. „Meine Papiere waren in Ordnung, mir wurde kein Vergehen vorgeworfen, sie verhafteten mich ohne Gründe“, erklärte er Tage nach seinem Verschwinden am 9. April. Sowohl sein Mobiltelefon als auch seine persönlichen Sachen wurden von den türkischen Behörden beschlagnahmt. Seit dem 18. April trat Del Grande nun einen Hungerstreik an, um gegen die Verhaftung und die ungerechtfertigte Behandlung im türkischen Gefängnis zu protestieren.

Kein Einzelfall 

Die Einschränkungen persönlicher politischer und publizistischer Freiheiten sind in der heutigen Türkei kein Einzelfall. Die Behörden des amtierenden Präsidenten Erdogan gingen in der Vergangenheit sowohl gegen einheimische Zeitung vor, als auch gegen ausländische Journalisten, die über die Zustände im Lande berichten wollen. Neben Del Grande ist der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel ein Präzedenzfall für das harte Vorgehen der Erdogan-Regierung gegen die Pressefreiheit. Anders als Yücel, der türkischer Nationalität ist, kann Del Grande vielleicht aufgrund internationaler und italienischer Intervention auf baldige Freilassung hoffen.

Protest in Italien 

Auf Straßen und Plätzen Italien demonstrieren aufgebrachte Bürger für die Freilassung des Journalisten, Rom steht unter öffentlichem Druck, sich für Del Grande einzusetzen.

Es steht außer Frage, dass dieser sich auch nach einer Freilassung weiter für die Rechte der Flüchtenden einsetzen wird. Als Ko-Autor und Ko-Regisseur wurde Gabriele Del Grande auf dem Festival von Venedig 2014 für seinen Film „Io sto con la sposa“ (An der Seite der Braut) ausgezeichnet. Der Streifen handelte vom Schicksal syrischer und palästinensischer Flüchtlinge.