Hintergrund


Brite boxt Hai in die Flucht

14 November 2017 | aktualisiert 14 November 2017

Ein britischer Arzt ist in Australien knapp dem Tod entkommen. Ein Hai griff den 25-Jährigen beim Surfen nördlich von Sydney an. Doch der Engländer behielt die Nerven. Er boxte den Hai auf die Nase, wie er es zuvor in einem YouTube-Clip gesehen hatte.

Sydney. Die Nachricht ging um die Welt: Der australische Profi-Surfer Mick Fanning war während eines Surfwettbewerbs in Südafrika vor laufenden Fernsehkameras von einem Hai angegriffen worden. Doch Fanning boxte sich frei und überlebte unverletzt. In Interviews erzählte der Surfstar später, wie er 2015 sein Leben retten konnte. Auf YouTube sind etliche solcher Clips zu sehen.

Genau solch einen YouTube-Film hatte sich der junge britische Arzt Charlie Fry angeschaut, bevor er mit drei Freunden am Montagnachmittag etwa eineinhalb Autostunden nördlich von Sydney surfen ging. Als er selbst dann ebenfalls angegriffen wurde, habe er nur noch denken können: „Mach einfach, was Mick gemacht hat, box ihn auf die Nase“, sagte Fry dem australischen Fernsehsender Nine am Dienstag. „Falls Sie zuschauen oder zuhören, Mick, ich schulde Ihnen ein Bier, herzlichen Dank.“

Ins Gesicht geboxt

Zum Zeitpunkt des Angriffs war der Brite etwa 40 Meter von der Küste entfernt gewesen. Der Hai – vermutlich ein etwa zwei bis drei Meter großer Schwarzhai – sprang aus dem Wasser und traf ihn an der rechten Schulter. „Ich bekam diesen massiven Schlag auf meine rechte Seite”, erinnerte sich der 25-Jährige. Zunächst habe er gedacht, es sei einer seiner Freunde, der Blödsinn mache. Doch dann habe er sich umgedreht und den Hai aus dem Wasser kommen sehen. Er habe den Raubfisch mit seiner linken Hand ins Gesicht geboxt und sei wieder auf sein Surfboard geklettert. Glücklicherweise sei dann eine Welle gekommen, auf der er Richtung Ufer surfen konnte. „Ich war nur am Surfen, so schnell wie möglich“, sagte er. Er habe versucht, die Welle so lange wie möglich auszukosten und habe dann um sein Leben gepaddelt. „Es war sehr hektisch“, sagte er.

Instinktives Verhalten

Den blutenden Arm und die Bisswunden, die der Hai bei seinem ursprünglichen Angriff hinterlassen hat, entdeckte Fry erst an Land. „Mir ist das in dem Moment gar nicht aufgefallen“, sagte der Arzt, der nach einer kurzen Behandlung im Krankenhaus inzwischen wieder entlassen wurde. „Ich habe nicht gefühlt, wie sich Zähne in mich bohrten, es fühlte sich an, als ob ich geschlagen worden wäre oder wie eine Hand, die mich packte und schüttelte“, sagte er.

Als er in Richtung Ufer surfte, habe er nur eines denken können: „Ich werde sterben.“ Sein Verhalten sei einfach instinktiv gewesen, schilderte er dem Fernsehsender, der mehrere Interviews mit Fry aufnahm. Es sei ihm keine „nette Erinnerung“ in den Sinn gekommen oder sein Leben vor seinen Augen vorbeigezogen.

Bisher 20 Haiangriffe in diesem Jahr

Erst im Oktober hatte ein australischer Jugendlicher in Südaustralien eine ebenfalls recht dramatische Haiattacke überlebt. Ein Weißer Hai katapultierte Sarah Williams damals aus ihrem Kanu in die Luft. Ihr Vater und ihr Bruder konnten sie retten, indem sie sie letztendlich über den Hai hinweg in ihr Boot zogen. Es sei um Sekunden gegangen, sagt der Vater damals. Die Schreie seiner 15-jährigen Tochter seien schaurig gewesen. Es seien vielleicht zehn Sekunden zwischen Leben und Tod gewesen.

Im April diesen Jahres endete ein anderer Haiangriff beim Surfen dagegen in einer Tragödie. Damals riss ein Hai einer 17-Jährigen vor den Augen ihrer Familie in Westaustralien beim Surfen ein Bein ab. Obwohl ihr Vater sie zunächst retten und zurück an den Strand bringen könnte, starb das schwerverletzte Mädchen später im Krankenhaus.

Laut des Australian Shark Attack File, das der Taronga Zoo in Sydney führt, gab es bisher 18 unprovozierte Haiangriffe in Australien im Jahr 2017 und zwei provozierte. Als „provoziert“ gilt, wenn Menschen verletzt werden, weil sie einen Hai anfassen, auf ihn treten, beim Angeln vom Haken abmachen oder beim Speerfischen angreifen.

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