Hintergrund


Explosion vor Stockholmer U-Bahnhof

07 Januar 2018 | aktualisiert 08 Januar 2018

Bei einer Explosion vor einem U-Bahnhof im Großraum Stockholm ist ein 60-jähriger ums Leben gekommen. Eine weitere Person wurde verletzt. Laut Medienberichten handelte es sich um eine herumliegende Handgranate.

Stockholm. Der Schock saß tief am Sonntag bei den Stockholmern. Um 11.07 Uhr wurde die Polizei wegen einer Explosion auf dem Platz vor dem überirdischen U-Bahnhof Varby Gard im Südwesten des Großraums Stockholm alarmiert. Ein 60-jähriger Mann und seine 45-jährige Begleiterin wurden ins Krankenhaus gebracht. Der Mann starb um 14.40 Uhr an seinen schweren Verletzungen. Die Frau überlebte mit Schnittwunden im Gesicht und an den Beinen.

Zwei umgeworfene, nicht angeschlossene Fahrräder waren noch Stunden später am Tatort vor dem U-Bahnhof im Bereich der Absperrungsbänder zu sehen. Ob die beiden Opfer mit dem Fahrrad zum explosiven Gegenstand gekommen waren, blieb am Sonntag unklar.

Medienbericht: Eine Handgranate 

Laut einer ersten Aussage der Begleiterin des Verstorbenen soll die Explosion von einem „Gegenstand auf dem Boden“ verursacht worden sein, sagte Polizeisprecher Sven-Erik Olsson.

Laut „Aftonbladet“, soll es sich dabei um eine Handgranate gehandelt haben, die der Mann möglicherweise aus Neugier vom Boden aufgehoben hatte. Dann knallte es. Die Polizei bestätigte dies nicht. Sie geht von einem bösen Zufall aus. Auch von einem Terroranschlag wurde nicht ausgegangen. „Soweit ich weiß, gibt es nichts Spezifisches, das darauf schließen lässt, dass sich das gegen diese zwei Personen gerichtet hat“, so Olsson. „Soweit ich weiß gibt es auch keine Verdächtigen“, fügte er am Sonntag hinzu. Die beiden Passanten seien anscheinend einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen.

Dennoch hat die Polizei eine Voruntersuchung wegen „allgemeingefährlicher Zerstörung und Mord“ eingeleitet. Sprengstoffhunde und -techniker durchsuchten das Gebiet nach weiteren Sprengmitteln. Sie wurden nicht fündig. Die U-Bahn durfte weiter durch den unmittelbar angrenzenden Bahnhof fahren, aber ohne dort zu halten.

Anwohner entsetzt 

Anwohner waren entsetzt. „Wir hörten eine Explosion. Als wir rausgingen, sahen wir zwei Menschen auf dem Boden liegen“, sagte Abdullah Özmen, Besitzer eines Kiosks, der rund 50 Meter vom U-Bahnhof entfernt liegt, dem Sender SVT. „Man fühlt sich nicht mehr sicher. Ich habe in einem Land gewohnt, wo Krieg ist und nun beginnt der Krieg auch hier. Schweden ist kaputt“, sagte Passant Malek, (ohne Nachname) dem Sender.

Schweden wurde in den vergangenen Jahren immer wieder durch Sprengstoffanschläge, Schießereien und Morde erschüttert. Zumeist standen schwer bewaffnete, teils gar mit schusssicheren Westen ausgestattete, kriminelle Banden damit in Verbindung.

Attacken auf die Polizei 

Erst Ende Dezember wurde ein Polizeiwagen in Malmö in die Luft gesprengt. Er parkte vor dem Revier. Vor drei Jahren wurde im südschwedischen Helsingborg des Nachts der Eingang eines Polizeireviers gesprengt. Die Stockholmer Polizei warnte erst im März 2017, dass im Großraum der Hauptstadt 12 Bandenkriege toben würden, sechs im Norden und sechs im Süden. Im März ergab eine Statistik, laut SVT, dass sich die Anzahl von Ermordungen durch Schusswaffen in Schweden seit 2008 verdoppelt haben. Der Polizeichef vom unweit der Explosion vom Sonntag liegenden Stadtteil Rinkeby warnte, „die Kriminellen lachen die Gesellschaft aus“, weil sie kaum mit Konsequenzen zu rechnen hätten. 

Am Sonntag blieb unklar, wie der explosive Gegenstand auf den Platz vor einem Stockholmer U-Bahnhof geriet und dort einen Menschen tötete und einen weiteren verletzte. Vermutlich wurde der Gegenstand von Kriminellen aus Versehen zurückgelassen, so der Tenor in den schwedischen Medien am Sonntag.