Hintergrund


Facebook denkt über Abonnement nach

11 April 2018 | aktualisiert 12 April 2018

Facebook-Chef Zuckerberg hat die Fragen der US-Senatoren zur Zufriedenheit der Märkte beantwortet. Doch die Senatoren machen deutlich, dass sie bereit zu Regulierungen sind, um die Privatsphäre zu schützen. Ein Abonnement wäre möglicherweise ein Weg dazu.

Boston. Mark Zuckerbergs Garderobe war bemerkenswert. Als sich der Facebook-Chef am Dienstag dem Handels- und Justizausschuss des US-Senats stellen musste, trug er einen marineblauen Anzug und eine hellblaue Krawatte. Normalerweise trägt der 33-jährige Zuckerberg ein Kapuzensweatshirt, T-Shirt und Jeans. Doch wie für sein Unternehmen stehen auch für Zuckerberg selbst die Zeichen auf Wandel.

Aktie steigt nach Zuckerbergs Auftritt

„Ich glaube, dass es weitestgehend unmöglich ist, eine Firma in einem Studentenheim zu gründen und sie dann in der Größenordnung wachsen zu lassen, in der wir uns jetzt befinden, ohne Fehler zu machen“, sagte Zuckerberg den Senatoren. Er bezog sich darauf, dass das britische Politikberatungsunternehmen Cambridge Analytica die Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern ohne Erlaubnis verwendete und diese Informationen wahrscheinlich dazu nutzte, mit gezielten Falschmeldungen den Wahlkampf von Donald Trump zu unterstützen.

Zuckerberg hat sich bei seinem Auftritt scheinbar gut geschlagen. Die Facebook-Aktie stieg jedenfalls um 4,5 Prozent an, nachdem er gesprochen hatte. Doch der Termin im Senat am Dienstag zeigt ebenso wie Anzug, Krawatte und der Auftritt vor dem US-Repräsentantenhaus am Mittwoch, dass sich für das weltweit beliebteste soziale Netzwerk viel geändert hat.

Senatoren sprechen sich für Regulierung aus

Als ob er mit einem sich schlecht benehmenden Kind sprach, fragte der demokratische Senator Richard Durbin aus Illinois, ob Zuckerberg das Hotel, in dem er wohnt, öffentlich beim Namen nennen würde. „Nein“, antwortete Zuckerberg. „Ich würde mich wahrscheinlich nicht dafür entscheiden, das hier öffentlich zu tun.“ Der republikanische Senator John Kennedy aus Louisiana sagte, dass die Nutzungsvereinbarung von Facebook zu lang und kompliziert sei. Sie sei eindeutig darauf ausgerichtet, das Unternehmen zu schützen, und nicht, den Nutzern ihre Rechte mitzuteilen. „Was jeder versucht hat, Ihnen heute zu sagen, ist - und ich sage es vorsichtig -, dass Ihre Nutzungsvereinbarung scheiße ist“, so Kennedy. Zuckerberg grinste und sagte, dass andere Unternehmen ein ähnliches Problem haben.

Die Frage ist nun, ob der Kongress Vorschriften zum Schutz der Benutzerdaten erlassen wird oder ob das Unternehmen seinen Schutz der Privatsphäre selbst stärken kann. „Fortgesetzte Selbstregulierung ist nicht die richtige Antwort, wenn es um den Umgang mit den Missbräuchen geht, die wir auf Facebook gesehen haben“, so Lindsey Graham, ein Republikaner aus South Carolina. Viele Demokraten stimmten zu. „Es muss ein Gesetz geben“, sagte Senator Richard Blumenthal aus Connecticut. „Wenn es kein Gesetz gibt, wird Ihr Geschäftsmodell weiterhin den Profit über die Privatsphäre stellen“, sagte er Zuckerberg

Zuckerberg denkt über Abonnement nach

Zuckerberg und Sheryl Sandberg, die operative Leiterin bei Facebook, hatten gesagt, sie würden eine Regulierung akzeptieren - aber nur die „richtigen“ Regeln. Sie konkretisierten aber nicht, welche sie damit meinen. Zuckerberg sagte den Senatoren nun, dass er die Initiative „Honest Ad Act“ unterstütze, bei der politische Inserenten Informationen über sich selbst offenlegen müssen. Er meinte zudem, dass Facebook zwar immer einen kostenlosen Bereich anbieten würde, der über Anzeigen finanziert wird. Er würde aber auch über ein Abonnement nachdenken, welches zu einem werbefreien Zugang führen würde. Das Sammeln von Benutzerdaten für die personalisierte Werbung würde dadurch entfallen.

Der Übergang von einem kostenlosen zu einem bezahlten Facebook wäre vielleicht die größte Veränderung, die durch Zuckerbergs formelle Kleidung symbolisiert wurde. „Zuckerberg ist jetzt einer der Anzugträger. Muss er auch sein“, schreibt die „Washington Post“. „Die Frage ist, ob er sich jemals in einem Anzug wohlfühlen wird.“