Hintergrund


Facebook ist auf dem Weg in die Krise

13 Februar 2018 | aktualisiert 14 Februar 2018

Facebook wird in den USA zunehmend als Profitmaschine wahrgenommen, die sich nicht um ihre Instrumentalisierung für russische Interessen interessiert. Die zunehmende Kritik wirkt sich noch nicht auf die Geschäftszahlen aus. Aber die Zahl der Nutzer sinkt.

New York. Jim Carrey nimmt die Dinge gewöhnlich von der leichten Seite. Der amerikanische Komiker macht sich über alles lustig, was ihm vor die ausgeprägte Nase kommt. Doch wenn es um Facebook geht, dann hört bei Carrey der Spaß auf. So kündigte Carrey in der vergangenen Woche per Twitter humorlos die Löschung seines Facebook-Kontos mit 5 Millionen Freunden an und bat seine Anhänger, es ihm gleich zu tun.

Zudem stieß der Hauptdarsteller von „Ace Ventura“ und „Dumm und Dümmer“ seine sämtlichen Facebook-Aktien ab. Als Grund nannte Carrey die Tatsache, dass Facebook enorm von der russischen Einmischung in die amerikanischen Wahlen im Jahr 2016 profitiert habe und nicht annähernd genug dafür tue, dass sich so etwas niemals wiederholt: „Wir müssen als Investoren Druck auf soziale Medien ausüben, stärker einzugreifen.“

Kritik nimmt zu

Carrey war in den vergangenen Wochen nicht alleine mit seiner Kritik an dem Internetgiganten. So schlug der ehemalige Facebook-Manager Chamath Palihapitiya bei einem Forum der Zeitschrift „Vanity Fair“ einen scharfen Ton gegenüber der Firma an, die er mit aufgebaut hat: „Wir haben Werkzeuge geschaffen“, so Palihapitiya, „die das Gewebe unserer Gesellschaft zerstören. Es gibt keinen zivilen Diskurs mehr, keine Kooperation, stattdessen nur noch Fehlinformationen und Unwahrheiten“.

Carrey und Palihapitiya artikulieren eine Stimmung, die sich zunehmend unter Nutzern von sozialen Netzwerken breitmacht. Spätestens seit bekannt wurde, welche Rolle Facebook in den US-Wahlen gespielt hat und wie zögerlich die Firma sich dem Problem gestellt hat, wächst die Skepsis gegenüber Facebook. Der einst so hippe Technologiekonzern bekommt zunehmend ein Rufproblem.

Nutzerzahlen geben nach

In reinen Zahlen drücken sich die Schwierigkeiten von Facebook bislang bestenfalls marginal aus. Zwar ist im vierten Quartal 2017 die Anzahl der täglichen Nutzer von Facebook zum ersten Mal in der Firmengeschichte leicht geschrumpft. Der Umsatz wird sich jedoch voraussichtlich im Jahr 2018 erneut verdoppeln, der Börsenkurs tendiert weiterhin solide nach oben.

Dennoch mehren sich die Stimmen, die Facebook auf eine Krise zusteuern sehen. Die „New York Post“ sagt Facebook ein „katastrophales Jahr“ voraus. Die „Huffington Post“ kommentierte, dass das Geschäftsmodell von Facebook, der „Überwachungskapitalismus“, ausgedient habe.  

Facebook hat, wenn man den Diagnosen der Krisenpropheten Glauben schenken mag, zunehmend ein Imageproblem. Wie die anderen Technologieriesen Google, Amazon und Apple werden sie nicht mehr als die coolen Neuankömmlinge mit der ganz anderen Firmenkultur betrachtet, sondern wie ganz normale Großkonzerne, die ihre Profitinteressen verfolgen. Zudem wird Facebook spätestens seit der letzten US-Wahl und dem mutmaßlichen russischen Eingreifen als gefährlich eingeschätzt. 

Facebook hat das Problem erkannt

Die skrupellose Vermarktung privater Daten gerät zunehmend in die Kritik. Ebenso das Medienökosystem, das Facebook geschaffen hat, in dem die Unterscheidung zwischen echter Information und Falschnachricht praktisch unmöglich geworden ist. Zudem wächst die Sorge gegenüber der schieren Macht von Facebook.

Facebook hat natürlich längst das Problem erkannt und versucht, gegenzusteuern. So hat Firmenchef Mark Zuckerberg gerade einen Marktforscher eingestellt, dessen einzige Aufgabe es ist, die öffentliche Wahrnehmung von Zuckerberg aufzuzeichnen und zu analysieren. Wenn man das Bild Zuckerbergs steuern kann, dann kann man hoffentlich auch den beschädigten Ruf von Facebook wieder verbessern, so der Gedanke. Ob das allerdings ausreicht, darf bezweifelt werden. „Die Zeit der Unschuld ist vorbei“, schreibt die „New York Post“.