Hintergrund


Google und Amazon kämpfen um Werbe-Dollars

06 Dezember 2017 | aktualisiert 06 Dezember 2017

YouTube will mit seiner App nicht mehr auf der Amazon-Fernsehbox Fire TV zu sehen sein. Die Google-Tochter reagiert damit auf die angebliche Benachteiligung von Google-Produkten durch Angebote von Amazon.

Boston. Google und Amazon liefern sich einen erbitterten Kampf um YouTube, den populären Videostreaming-Dienst, Amazon Prime-Videos und andere Videoinhalte, die auf den Fernseher und anderen Schirmen anzusehen sind. Im Hintergrund geht es um Milliarden Dollar an Werbegeld. Amazon ist dabei, das so genannte „Duopol“ von Google und Facebook bei den Anzeigen im Internet aufzubrechen. Wer bessere Inhalte in besserer Qualität anbietet, der bekommt mehr Anzeigenaufträge.

Google: Wir wehren uns nur

Google will sich gegen angebliche Benachteiligung seiner Angebote auf den von Amazon auf seinen Geräten und in seien Diensten verbreiteten Streamingdiensten wehren. Deshalb soll YouTube ab dem 1. Januar nicht mehr auf Amazons Fernseher Fire TV zu empfangen ein. YouTube werde zudem sofort von Echo Show genommen, einem „intelligenten“ Lautsprecher mit Display, teilte Google am Dienstag mit. 

Google will sich damit nach eigenen Angaben nur dagegen wehren, dass Amazon nicht mehr erlaubt, Premium-Videos über Googles Chromecast oder Google Home-Geräte auf dem Fernseher anzuspielen, oder mit dem Stick Chromecast von mobilen Geräten darauf zu übertragen. Außerdem hat Amazon im vergangenen Monat Technologieprodukte von Nest aus seinem Online-Handel genommen. Nest gehört zur Google-Muttergesellschaft Alphabet und verkauft internetgestützte Produkte für das Haus wie etwa über Smartphones gesteuerte Thermostaten für die Klimaanlage.

Deal bisher nicht möglich

„Wir haben versucht, mit Amazon eine Vereinbarung zu finden, die den Verbrauchern Zugang zu den Produkten und Diensten beider Anbieter gibt“, erklärte Google. „Wegen mangelnder Gegenseitigkeit bieten wir YouTube nicht mehr auf Echo Show und Fire TV an. wir hoffen, dass wir bald eine Abmachung erzielen, um diese Fragen zu lösen.“

Schon im September hatte Google seine Angebote für Amazon-Geräte vorübergehend gesperrt, weil Amazon angeblich die Qualität der YouTube Videos absichtlich minderte, um die Kunden von diesen Streaming-Diensten zu vertreiben und auf eigene Dienste zu locken.

Amazon erwiderte darauf, dass es Google-Dienste nicht länger blockiere. Sowohl Echo Show als auch Fire TV zeigten YouTube in ganz normaler Qualität. Bei dem Konflikt geht es darum, wessen Technologie die Nummer eins bei der Übertragung von Videos von Mobilgeräten auf große Bildschirme sein wird. Google und Amazon bieten solche Technik an. Offen ist, ob einer das Rennen machen und mit besserer Qualität den anderen zurückdrängen kann, oder ob beide ihren jeweiligen Kunden erlauben, sich ihr technisches Set frei zu wählen, da die Inhalte in guter Qualität zu sehen sind, egal welches Gerät beider Anbieter man benutzt.

Amazon bricht in Werbedomäne ein

Der Kampf zwischen Google und Facebook auf der einen und Amazon auf der anderen Seite hat an Schärfe zugenommen, seit es Amazon gelungen ist, in das Werbe-Duopol einzudringen. Bisher entfallen 63 Prozent der digitalen Werbung in den USA auf Google und Facebook, hat eMarketer festgestellt. Jetzt haben aber drei der größten digitalen Werbeagenturen – WPP, Publicis und Omnicon – die Absicht, für 800 Millionen Dollar (675 Millionen Euro / 788 Millionen Franken) Werbezeit auf Amazon-Plattformen zu kaufen. Das ist mehr als doppelt so viel wie bisher. „Wir setzen entschieden auf Amazon als Werbepartner und denken, dass dies unseren Kunden große Vorteile bringt“, sagte Kelly Clark, CEO von GroupM, der Dachgesellschaft der Werbeagentur WPP.

Indirekt ist der Konflikt auch Bestandteil des Kampfes um Netzneutralität. Die Regierung Trump will die Bestimmungen demnächst außer Kraft setzen, die bevorzugte Behandlung von Netzzugang und Übertragungsgeschwindigkeit gegen höheres Entgelt bisher verhindern. Google und Amazon sind gegen das Ende der Netzneutralität.