Hintergrund


Google und Tesla wollen Puerto Rico helfen

09 Oktober 2017 | aktualisiert 10 Oktober 2017

Puerto Rico leidet unter den Folgen der Hurrikans. Stromversorgung und Telekommunikation sind weiter unterbrochen. Nun will Tesla Batterien liefern und Google Internetverbindungen mit Ballons in der Stratosphäre gewährleisten.

Boston. Auf Puerto Rico fühlt man sich von der amerikanischen Regierung beim Wiederaufbau nach dem verheerenden Hurrikan Maria nahezu verlassen. Doch nun wird von zwei Technologieriesen unerwartete Hilfe angeboten. Tesla, das nicht nur Elektroautos, sondern auch Solaranlagen und Batterien dafür baut, will der Inselbevölkerung helfen. Denn auf Puerto Rico ist das alte, ohnehin marode Stromnetz fast völlig zusammengebrochen.

Und Alphabet, die Muttergesellschaft des Internetgiganten Google, bietet sein neues Kommunikationssystem Loon an. Denn auf Puerto Rico funktionieren auch Wochen nach dem Hurrikan weder Mobiltelefone noch das Internet.

Musk verspricht Batterien und Solaranlagen

Eine knappe halbe Stunden haben Puerto Ricos Gouverneur Ricardo Roselló und Elon Musk, der Chef von Tesla, am Samstag miteinander telefoniert. „Ich habe ihm gesagt, dass wir nach den Zerstörungen mit neuen Konzepten neu anfangen könnten“, sagte Roselló nach dem Gespräch. Musk bot Hilfe an. „Das ist ein sehr positiver erster Schritt“, sagte der Gouverneur.

Musk will der Hilfe für Puerto Rico Vorrang einräumen. Er hat mitgeteilt, dass die geplante Vorstellung des ersten vollelektrisch angetriebenen Lastwagens um einige Wochen verschoben werde. „Ressourcen werden umgeleitet & Batterieproduktion für Puerto Rico & andere betroffene Regionen wird gesteigert“, twitterte Musk.

Altes nicht mehr reparieren

Tesla hat sein Paket von Powerball-Batterien und Solarstromanlagen schon auf der Hawaii-Insel Kauai im Einsatz. Jetzt soll das System auf der zerstörten amerikanischen Karibikinsel helfen. Das Stromnetz auf Puerto Rico, das von einem hoffnungslos verschuldeten Betreiber erhalten wird, ist im Mai schon einmal zusammengebrochen.

Experten hatten längst vorgeschlagen, eine neue Stromversorgung aufzubauen und kein Geld mehr in das verrottete alte System zu stecken. „Unternehmen wie Tesla werden dabei eine Rolle spielen“, sagte Francis O’Sullivan, Forschungsdirektor beim Massachusetts Institute of Technology (MIT). „Sie sollten dort die neueren Technologien verwenden und nicht das alte System wiederaufbauen.“

Internet aus der Stratosphäre

Ende vergangener Woche hat die US-Kommunikationsbehörde FCC die Genehmigung erteilt, dass Alphabet sein Project Loon auf der Karibikinsel einsetzt. Loon besitzt hoch in der Stratosphäre fliegende Ballons als Träger für solarbetriebene Plattformen, die Internet, Telefonate und andere Kommunikationsdienste per Funk auf die Erde weiterleiten. „Wir brauchen innovative Ansätze, um die Verbindungen auf der Insel wiederherzustellen“, sagte Ajit Pai, der Vorsitzende der FCC. Das Project Loon sei ein solcher Ansatz. „Ich dränge Anbieter von drahtlosen Verbindungen, mit Project Loon zusammenzuarbeiten, um die Erfolgschancen dafür zu maximieren.“

Aber Alphabet-Sprecherin Libby Leahy warnte, auf Puerto Rico könnte das System nicht arbeiten. „Um die Signale an die Empfänger zu bringen, braucht Loon einen Telekom-Partner mit seinem Netzwerk auf dem Boden. Die Ballons können das allein nicht tun.“ In Peru hat der Loon-Einsatz im Katastrophengebiet vor kurzem gut funktioniert.

Auch Zuckerberg hilft

Auch Facebook hat ein „Verbindungsteam“ auf die Insel entsandt, um dabei zu helfen, digitale Verbindungen wiederherzustellen. „Kommunikation ist bei einer Katastrophe äußerst wichtig“, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg, nachdem Hurrikan Maria über Puerto Rico hinweggefegt war. 90 Prozent der Sendemasten für die Mobiltelefone seien dort zerstört. „Die Menschen können keinen Kontakt zu ihren Angehörigen herstellen – und es ist schwerer für die Rettungsdienste, ihre Arbeit zu koordinieren.“