Hintergrund


Bild: H&M

H&M steckt in der Rassismusfalle

09 Januar 2018 | aktualisiert 09 Januar 2018

H&M hat sich für ein Katalogbild entschuldigt, auf dem ein schwarzer Junge einen Pulli mit der Aufschrift „Coolster Affe im Urwald“ trägt. Nun hat Superstar The Weeknd die Zusammenarbeit als Modell mit dem schwedischen Kleiderkonzern abgebrochen.

Stockholm. Als ob H&M nicht schon genug Probleme mit dem Onlinehandel und rasant fallenden Aktienkursen hätte: Wegen Rassismusvorwürfen musste das schwedische Kleiderhaus nun auch noch ein Bild aus dem Internetkatalog zurückziehen. Ein kleiner, schwarzer Junge trägt dort einen grünen Kapuzenpulli mit der Aufschrift „Coolest Monkey in the Jungle“ (Coolster Affe im Urwald). Im Stockholmer Hauptsitz des Konzerns entschuldigte man sich nun dafür. Auch der Pulli wurde aus dem Sortiment entfernt.

„Es ist unerhört unglücklich, dass das Bild als beleidigend aufgefasst wird“, schrieb H&M Sprechern Anna Eriksson der Zeitung „Expressen“. Wie die verantwortlichen Fotografen, Stylisten und Werber darauf kommen konnten, ausgerechnet einem schwarzen Jungen diesen Pulli zeigen zu lassen, wollte der Konzern jedoch nicht im Einzelnen erklären, so „Expressen“.

Sturm der Kritik im Netz

In sozialen Internetforen, die den Kritiksturm ausgelöst hatten, gibt es hingegen viele Spekulationen. Da stünden Rassisten im schwedischen Konzern dahinter, meinen viele. „Es ist eine Projektion eures neokolonialistischen Denkens“, schrieb jemand bei Twitter. Ein weißer Junge in der gleichen H&M-Urwaldserie hatte einen Pulli an, auf dem „Survival Expert“ (Überlebensexperte) stand, was mehr auf den weißen Kolonialherren auf Urwaldexpedition anspielen würde, so der Tenor. Auch auf Twitter wurde heftig darüber debattiert.

Andere nahmen an, es sei einfach ein unbedachter Zufall gewesen. In Stockholms Werberszene glauben viele, dass die für das Bild Verantwortlichen sich persönlich so aufgeschlossen und entfernt von möglichen Rassismusvorwürfen fühlen, dass sie annahmen, es sei heutzutage nichts mehr dabei (und gar fortschrittlich), ausgerechnet einem schwarzen Kind einen solchen Pulli anzuziehen.

Popstars verlassen H&M

Dass Letzteres zumindest im Jahr 2018 doch noch eine Illusion ist, machten mehrere weltweit bekannte Musiker deutlich. Sie distanzieren sich nun ausdrücklich vom Katalogbild und dem Hause H&M. „Wachte heute morgen auf, geschockt und verlegen von dem Bild. Ich bin zutiefst gekränkt und werde nicht mehr mit H&M arbeiten“, schrieb der kanadische Superstar Abel Makkonen Tesfaye, bekannt als „The Weeknd“ mit Hip-Hop-Songs wie „Starboy“, auf Twitter. „The Weeknd“ ist derzeit bei vielen jungen Leuten beliebt.

Auch Rapstar Sean „P.Diddy“ Combs und Basketballstar Lebron James kritisierten H&M scharf. Diddy veröffentlichte eine eigene, gemalte Version des H&M- Katalogbilds. Darin hat er die Aufschrift des Pullis in „Der coolste König der Welt“ abgeändert. Dem Jungen hat er eine Königskrone aufgesetzt.

In Großbritannien löste das H&M Bild auch bei Politikern Entsetzen aus. Laut der Zeitung „Guardian“ schrieb die sozialdemokratische Parlamentsabgeordnete Kate Osamor auf Twitter: „Ich war total geschockt. HM denkt ihr wirklich, dass diese Aufnahme eine angemessene Abbildung eines schwarzen Jungens ist?“

Aktien im Sinkflug

Für H&M kommt der Skandal ungelegen. Die Aktien haben seit August 2015 über die Hälfte ihres Wertes verloren, von 353 Kronen am 10. August 2015 auf derzeit rund 160 Kronen (16,30 Euro / 19,20 Franken). Gerade der schleppende Onlinehandel macht dem lange vor allem auf Filialen setzenden Konzern zu schaffen. Immer wieder gab es auch Anschuldigungen, der Konzern würde wie auch andere in der Branche über Zulieferer in Entwicklungshilfeländern Kinder für sich arbeiten lassen. Derzeit will der Konzern einen Teil seiner Produktion zudem von Asien nach Afrika verlegen. Der jüngste Skandal dürfte für eine Wende nicht hilfreich sein.