Hintergrund


Im Auge Nordkoreas

09 August 2017 | aktualisiert 09 August 2017

Eine kleine Pazifikinsel ist nach dem verbalen Schlagabtausch zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Führung ins Rampenlicht gerückt. Guam ist ein US-Außengebiet mit einem Luftwaffenstützpunkt und wird von Kim Jong-un als Ziel für einen Nuklearschlag genannt.

Sydney. „Ruhe bewahren“ ist das derzeitige Motto auf Guam. Das schreibt der Chefredakteur der lokalen Tageszeitung. „Es ist ja nicht so, dass wir mit dem Auto in den nächsten Staat fahren können“, fügt Gaynor Daleno sarkastisch hinzu. Auch das Heimatschutzministerium mahnt zur Besonnenheit angesichts der nordkoreanischen Drohung. In einer Pressemitteilung schreibt die Behörde, das Gefahrenlevel der Insel habe sich nicht verändert, gesteht aber ein, die Entwicklungen aufmerksam zu beobachten. Man sei nach wie vor „jederzeit einsatzbereit“, heißt es.

Gouverneur stimmt sich mit USA ab

„Im Moment raten wir der Gemeinde, ruhig zu bleiben und daran zu denken, dass Verteidigungsmechanismen im Falle von Drohungen wie denen aus Nordkorea vorhanden sind”, sagte George Charfauros vom Heimatschutzministerium auf Guam. Der Gouverneur der Insel, Eddie Baza Calvo, gab bekannt, er habe sich am Mittwochmorgen sofort mit dem Weißen Haus verständigt. „Ein Angriff oder eine Drohung gegenüber Guam ist eine Drohung oder ein Angriff auf die Vereinigten Staaten.” Amerika werde in jedem Falle verteidigt.

Tausende US-Soldaten sind auf Guam stationiert

Guam ist die südlichste Insel des Marianen-Archipels und ein US-Außengebiet. Im Westpazifik gelegen, ist die Insel rund 3400 Kilometer von Nordkorea entfernt und damit durchaus in Reichweite. Nordkorea hatte am Mittwochmorgen verkündet, einen Schlag gegen Guam „sorgfältig zu untersuchen“, nachdem US-Präsident Donald Trump Nordkorea mit „Feuer und Wut, wie sie die Welt noch nie gesehen hat“ gedroht hat.

Auf der 540 Quadratkilometer großen Insel Guam leben rund 160.000 Menschen. Etwa ein Drittel der Landfläche wird vom US-Militär kontrolliert. Denn auf der Insel befinden sich mehrere Militärbasen, darunter ein Stützpunkt der amerikanischen Marine sowie der Luftwaffenstützpunkt Andersen Air Force Base, den Nordkorea unter anderem als Ziel im Auge haben dürfte. Denn dort befinden sich B-52-Bomber und Kampfjets. Insgesamt sollen etwa 6000 amerikanische Soldaten auf Guam stationiert sein.

Raketenabwehrsystem schützt die Insel seit 2013

Guam selbst ist schon häufiger militärischer Zankapfel gewesen, nicht zuletzt wegen seiner strategischen Position im Pazifik. Die seit 1898 zu den USA gehörende Insel wurde 1941, kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor, von den Japanern erobert und blieb bis zum Juli 1944 in deren Gewalt. An diese harte Besatzungszeit kann sich die ältere Bevölkerung durchaus noch gut erinnern. Doch seit dem Zweiten Weltkrieg spielte Guam im Weltgeschehen eigentlich kaum mehr eine Rolle. Eines der letzten Male, als Guams Name um die Welt ging, war im Januar 1972, als der japanische Unteroffizier Shōichi Yokoi auf der Insel entdeckt wurde, nachdem er sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs 28 Jahre lang auf der Insel versteckt gehalten hatte.

Nordkorea hat auch früher schon Drohungen gegen Guam ausgesprochen. 2013 wurde nach harschen Worten des kommunistischen Regimes das Raketenabwehrsystem THAAD vorübergehend installiert. Seit 2015 ist das System, das aufgrund der Eskalation mit Nordkorea inzwischen auch in Südkorea positioniert wurde, ein permanenter Bestandteil des Luftwaffenstützpunkts auf Guam.