Hintergrund


Japans Kronprinz ist bereit

14 Juni 2017 | aktualisiert 15 Juni 2017

Der japanische Kronprinz Naruhito will den Posten von Kaiser Akihito „mit Leib und Seele“ übernehmen. Doch wie eine stabile Thronfolge angesichts der stark schrumpfenden Kaiserfamilie langfristig gesichert werden kann, ist weiterhin unklar.

Tokio. Der 57-jährige Naruhito lässt keine Zweifel. „Ich werde mich mit Leib und Seele den Pflichten widmen, die mein Vater mir überträgt“, erklärte der japanische Kronprinz am Dienstag in einer Pressekonferenz anlässlich seiner anstehenden Dänemarkreise. Naruhito, der sich für Umweltfragen einsetzt und auch schon die Männer des Landes zu aktiver Mitarbeit in der Kindererziehung aufgerufen hat, könnte Medienberichten zufolge bereits am 1. Januar 2019 den Chrysanthementhron besteigen.

Akihito darf abtreten

Er wolle die Arbeit seines Vaters weiterführen, die Wunden des Zweiten Weltkriegs zu heilen, welchen Japan im Namen seines Großvaters Hirohito geführt hat, sagte Naruhito. Sein Vater Akihito ist der erste Kaiser, der nie göttlichen Status hatte. Die Nachkriegsverfassung beschränkt die Rolle des Tennos darauf, ein Symbol für die Einheit der Nation zu sein. Der Kaiser hat keinerlei politische Funktion mehr.

Am vergangenen Freitag hatte das Parlament ein Sondergesetz verabschiedet, welches es dem 83-jährigen Akihito erlaubt, als erster Kaiser seit 200 Jahren abzudanken und in „Rente“ zu gehen. Als wahrscheinlicher Zeitpunkt für den Rücktritt gilt der 85. Geburtstag des gesundheitlich angeschlagenen Monarchen im Dezember 2018. Akihito, der eine Herzoperation und eine Prostatakrebserkrankung hinter sich hat, hatte im vergangenen Sommer in einer seltenen Videobotschaft deutlich gemacht, dass er angesichts seiner schwindenden Kräfte abdanken möchte.

Nachfolgeregelung bleibt ungeklärt

Nun hat die rechtskonservative Regierung von Premier Shinzo Abe ihm diesen Wunsch erfüllt. Jedoch wird Akihitos Abdankung eine Ausnahme bleiben. Nachfolgende Kaiser dürfen nicht zu Lebzeiten gehen. Abes Kabinett konnte sich nicht durchringen, Maßnahmen zur Sicherung der Thronfolge zu beschließen. Eine Debatte über die Einführung der weiblichen Thronfolge lehnt Abe mit Blick auf seine ultrakonservativen Unterstützer ab. Das gerade verabschiedete Gesetz enthält lediglich eine Resolution, in der die Regierung aufgerufen wird, über Möglichkeiten wie den Verbleib von Prinzessinnen in der Kaiserfamilie auch nach der Heirat mit einem Bürgerlichen zu diskutieren. Einen zeitlichen Rahmen für diese Debatte gibt es allerdings nicht.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Hof mitgeteilt, dass Akihitos älteste Enkelin, Prinzessin Mako, die Tochter seines zweiten Sohnes, sich in Kürze verloben werde. Sobald Mako ihren bürgerlichen Studienfreund heiratet, zählt sie nicht mehr als Mitglied des Hofes. Ohne Mako hat die Kaiserfamilie nur noch 18 Mitglieder. In der jüngsten Generation ist ihr zehnjähriger Bruder Hisahito das einzige männliche Familienmitglied und damit der einzige Anwärter auf den Chrysanthementhron.

Fragezeichen hinter künftiger Kaiserin

Kronprinz Naruhito und seine Frau Masako haben eine 15-jährige Tochter. Auch Prinzessin Aiko wird – sofern sie heiratet – irgendwann die Kaiserfamilie verlassen. Inwieweit Kronprinzessin Masako ihre Amtspflichten als künftige Kaiserin erfüllen kann, ist unklar. Die 53-jährige Ex-Diplomatin leidet unter einer stressbedingten Depression und tritt nur selten öffentlich auf.

„Masako ist weiterhin in Behandlung. Sie versucht, ihre Aufgaben soweit wie möglich zu erfüllen, doch ihre gesundheitliche Situation ist weiterhin von Höhen und Tiefen geprägt. Deshalb können die Dinge, die sie tun kann, nicht so schnell ausgeweitet werden“, machte Naruhito deutlich.