Hintergrund


Kaspersky verlegt Datenzentren nach Zürich

15 Mai 2018 | aktualisiert 15 Mai 2018

Kaspersky reagiert auf den zunehmenden Druck. Einerseits wird dem russischen Spezialisten für Internetsicherheit Spionage für Russland vorgeworfen. Andererseits macht Moskau selbst der Firma das Leben schwer. Nun verlagert Kaspersky Lab einen Teil des Geschäfts nach Zürich.

Moskau. Kaspersky Labs will den Grundstock seiner Infrastruktur aus Russland in die Schweiz verlegen. Berichte darüber hatte Reuters bereits Mitte März verbreitet. Sie fanden damals allerdings noch keine Bestätigung durch Kenner der Szene. Nun ist aber am Dienstag zusätzliche Information darüber aus erster Hand – auf der Internetseite von Kaspersky – erschienen.

Europäisches Transparenzzentrum in der Schweiz

Der teilweise Umzug des russischen Herstellers von Sicherheitssoftware nach Zürich werde im Rahmen der von Unternehmensgründer Jewgeni Kaspersky in Europa, den USA und Asien geplanten sogenannten Transparenzzentren erfolgen, heißt es. Kunden des Unternehmens sollen dadurch die Möglichkeit erhalten, den Quellcode der Kaspersky-Produkte nach Hintertüren für den russischen Geheimdienst abzuklopfen. Das europäische Transparenzzentrum soll in der Schweiz angesiedelt werden. Die Arbeiten am Schweizer Rechenzentrum von Kaspersky sollen in den nächsten Wochen beginnen und 2020 abgeschlossen werden.

Kaspersky will nicht für Russland spionieren

Laut Kaspersky Labs soll die Lagerung der Daten von Kunden in Europa, Nordamerika, Japan, Singapur, Australien und Südkorea bis Ende 2019 nach Zürich verlegt worden sein. Die Geschäfte des Unternehmens leiden seit geraumer Zeit unter Spionageverdächtigungen. In den USA wurde die Benutzung seiner Sicherheitssoftware durch Stellen des Staates verboten. In Washington wurde auch die Forderung laut, Jewgeni Kasperski solle sich einer Befragung im zuständigen Ausschuss des Kongresses stellen. Der Unternehmer erwiderte, er wäre dazu bereit, könne aber versichern, dass er seine Aktivitäten aus Russland in ein anderes Land verlege, falls man von ihm Spionagedienste verlange. Natürlich fragt man sich jetzt, ob es nun eventuell soweit sei.

Der unmittelbare Auslöser für die Verlegung der Datenbank seien sicher diese Anschuldigungen in den USA, heißt es inoffiziell. Es gebe aber auch weitergehende Gründe, denn die Welt verändere sich. Es gebe im Welthandel, auch bei den Kommunikationstechnologien, immer mehr Balkanisierung und Protektionismus.

Zunehmender Druck durch russischen Staat

Ein weiterer Grund für diese Entwicklung dürfte auch der zunehmende Druck des russischen Staates im IT-Bereich sein. Mitte April hatten der Geheimdienst FSB und die staatliche Aufsichtsbehörde Roskomnadsor vom IT-Unternehmer Pawel Durow gefordert, die Verschlüsselungscodes seiner Kunden für den Telegram-Messenger offenzulegen. Durow weigerte sich. Er lebt im Ausland und ist nicht erpressbar. Als Roskomnadsor drohte, Telegram generell zu sperren, antwortete er, sie sollen es versuchen. Schon bald stellte es sich heraus, dass sich der Messenger nicht sperren lässt. Es sei denn, man würde das Internet in Russland komplett stilllegen. Das kann sich nicht einmal der FSB leisten.