Hintergrund


Magische Pilze gegen Depressionen

08 April 2018 | aktualisiert 09 April 2018

Forschungen über die Evolution uralter Pilze könnten nach neuen Erkenntnissen zu Durchbrüchen bei der Behandlung von Depressionen führen. Das darin gefundene Psilocybin soll helfen, Depressionen, Sucht und Angst zu lindern

Boston. Erkenntnisse über die Entwicklung der Magic Mushrooms, auch halluzinogene Pilze oder einfach Zauberpilze genannt, sind nach Ansicht amerikanischer Forscher vielversprechend bei der Suche nach Medikamenten zur Behandlung von Depressionen und anderen neurologischen Erkrankungen führen.

In der Zeitschrift Evolution Letters schrieb die Forscher, dass die drei Arten von magischen Pilzen, die sie studierten, wahrscheinlich vor Jahrmillionen Gene von einem anderen Pilz übernommen haben, um Psilocybin zu produzieren - die Chemikalie, die psychedelische Halluzinationen beim Menschen auslöst.

Gene von anderem Pilz übernommen 

Während Bakterien häufig einen „horizontalen Gentransfer“ erleben - der wissenschaftliche Begriff für eine Spezies, die Gene von einer anderen Art erwirbt - ist das bei höheren Lebewesen selten, sagt Jason Slot, ein Mykologe an der Ohio State University. „Das war eine wichtige unbeantwortete Frage bei der Pilzentwicklung“, sagte Slot. „Warum produzieren bestimmte Pilze diese halluzinogene Verbindung?“ Den Mykologen gäben Zauberpilze immer noch Fragen auf.

Slot und seine Kollegen wussten nicht genau, wie der Gen-Transfer stattgefunden haben könnte. Aber der Forscher meint, dass urzeitliche Zauberpilze ein Stück einer Psilocybin-produzierenden DNA gefressen haben müssen, sie in ihr Genom assimilierten und sich dann zu den heute bekannten halluzinogenen Pilzen entwickelten.

Psychische Wirkung beim Menschen 

Beim Menschen ist Psilocybin eine bewusstseinsverändernde Droge, die Euphorie erzeugt, das Raum- und Zeitgefühl verzerrt, visuelle Effekte durch Verzerrung von Farbe und Licht auslöst und geistige Verwirrung hervorrufen kann. Sie kann auch Angst, Verwirrung und andere negative Gefühle bei sogenannten „bad trips“ auslösen.

Da magische Pilze inmitten einer Vielzahl von Larven pilzfressender Insekten wachsen, glaubten Slot und seine Mit-Autoren, dass Psilocybin ein Abwehrmechanismus sein könnte, der es den Pilzen ermöglichte, zu überleben und sich mit der Zeit zu entwickeln. Slot betonte, dass sei nur eine Hypothese, aber Studien haben gezeigt, dass Psilocybin Maden weniger fressen lässt und zu verändertem Verhalten bei Spinnen führt.

Medikamente aus Kuhfladen 

Was für Insekten schädlich ist, könnte für Menschen mit psychischen Erkrankungen und anderen neurologischen Problemen gut sein.  Wenn sich bewusstseinsverändernde Drogen in Kuhfladen und verrotteten Stämmen entwickelten, konnten andere starke Chemikalien in ihnen gefunden werden, meinen Slot und seine Ko-Autoren. Andere Studien haben bereits bewiesen, dass Psilocybin helfen kann, Depressionen, Sucht und Angst zu lindern. „Vielleicht ist diese Art von Umgebung ein guter Ort, um nach anderen Dingen zu suchen, die mit dem Nervensystem interagieren“, sagte Slot. „Es eröffnet die Möglichkeit für mehr Medikamentenentdeckung.“ Forscher haben Psilocybin als einen „Reset“ – ein Stellen auf Null -  für die Betroffenen von neurologischen Erkrankungen beschrieben, indem sie die Gehirnzyklen, die sie quälen, durchbrechen, sagte Slot.

Strenge Antidrogen-Auflagen 

Derzeit wird Psilocybin allerdings nach US-Recht als illegale Droge eingestuft. Slot bemerkte, dass Wissenschaftler mehr über die Magic Mushrooms lernen könnten, wenn es einfacher wäre, sie zu studieren. Er und seine Kollegen machten ihre Ergebnisse mit Hilfe von DNA-Material und Computersimulationen. Sie würden eine Erlaubnis der Bundesregierung benötigen, um lebende Pilze zu prüfen. Ohne Genehmigung würden ihnen Strafen wegen Herstellung von Drogen drohen, sagte Slot. Man informiere die Behörden allerdings, um sicherzustellen, dass die Arbeiten nicht beanstandet werden. Irgendwie sei man damit doch eine „unterdrückte Wissenschaft“.