Hintergrund


Muttermal-Fotografie soll Leben retten

05 Dezember 2017 | aktualisiert 06 Dezember 2017

Australien hat die höchste Hautkrebsrate der Welt. Hautärzte haben nun im Südsommer eine Kampagne gegen die „australische Epidemie“ gestartet. Sie plädieren dafür, bei gefährdeten Patienten sämtliche Muttermale zu fotografieren.

Sydney. Australien, das ist Sommer, Sonne, Surf: Jahrelang genossen die Australier ihre Strände und den Lebensstil im Freien, ohne viel über die Konsequenzen nachzudenken. Hautkrebs entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten deswegen zur australischen Nationalkrankheit.

Fast 1800 Australier – bei einer Bevölkerung von weniger als 25 Millionen Menschen – sterben jedes Jahr an Hautkrebs, meldet das austral-asiatische Institut für Dermatologen: Die höchste Rate der Welt. Einer von zehn Männern und eine von 16 Frauen entwickeln im Durchschnitt im Laufe ihres Lebens Hautkrebs.

„Slip, slop, slap“ nicht mehr genug

Trotz dieser erschreckenden Zahlen hat Australien jedoch keine offiziellen Vorsorgeuntersuchungen. Diese werden von der staatlichen Kasse Medicare bisher nur für Darm-, Brust- und Unterleibskrebs angeboten. Kindern und Jugendlichen wird inzwischen zwar bereits von klein auf eingeprägt: „Slip, slop, slap“, was so viel bedeutet wie „Zieh ein T-Shirt über, trage Sonnencreme auf und setzt einen Hut auf“.

Australische Hautärzte wollen beim Thema Vorsorge jetzt jedoch nochmal weitergehen und haben deswegen eine Kampagne für eine ganz besondere Vorsorge gestartet. Sie plädieren dafür, sämtliche Muttermale von gefährdeten Patienten zu fotografieren.

„Mole-Mapping“ ist teuer

Dieses sogenannte „Mole-Mapping“ ist quasi eine Kartographie aller Muttermale am Körper. Wiederholt man die Fotos in regelmäßigen Abständen, so lassen sich mögliche Veränderungen in Größe, Form und Position leicht erkennen und auch ob sich neue Hautflecken gebildet haben. Hautkrebs könnte somit frühzeitig erkannt und damit deutlich erfolgreicher behandelt werden.

Momentan kostet diese Vorsorgeuntersuchung zwischen 250 und 450 australische Dollar (160 bis 290 Euro/190 bis 340 Franken) aus der eigenen Tasche. Die Krankenkasse zahlt nichts dazu. Viele Risikopatienten können sich das „Mole-Mapping” deswegen nicht leisten, vor allem weil wirklich gefährdete Patienten einmal im Jahr neue Fotos brauchten.

Weltweit höchste Hautkrebsrate

Laut Experten rettet die Muttermal-Fotografie jedoch Leben und spart somit letztendlich der Krankenkasse Kosten für teure Chemotherapie, Operationen oder Palliativpflege. „Es kostet etwa 1000 Mal mehr Geld, jemanden zu behandeln, bei dem Hautkrebs im Körper Metastasen gebildet hat, als jemanden mit Hautkrebs im Anfangsstadium, wo man den Krebs einfach nur rausschneidet”, sagte ein australischer Hautarzt dem australischen Sender ABC.

Australische Hautärzte plädieren deswegen dafür, die Muttermal-Fotografie zu einem Standardangebot zu machen, das auch von der Krankenkasse abgedeckt wird. „Hautkrebs ist leider unser Krebs”, sagte John Kelly, der Direktor des Victorian Melanoma Service am Alfred Hospital in Melbourne. „Wir haben die höchsten Raten der Welt.“ Deswegen solle Australien seiner Meinung nach auch international wegweisend sein und aufzeigen, wie man die Bevölkerung am besten vor diesem lebensbedrohlichen Krebs schützen kann.