Hintergrund


Bild: Museums Victoria

Mystische Tiere und Massen an Müll

18 Juni 2017 | aktualisiert 19 Juni 2017

Erstmals haben Wissenschaftler die Tiefsee vor der australischen Küste erkundet. die Forscher stießen auf 1000 Tierspezies, darunter einen Fisch ohne Gesicht. Ein Drittel der Tiere ist bisher unbekannt. Schockieren sind die Müllmengen in der Tiefe.

Sydney. In 4000 Meter Tiefe ist es kalt und finster. Es ist eine Welt ohne Jahreszeitenwechsel und doch gibt es Berge und Täler, Ebenen und Schluchten. Obwohl die Tiefsee seit rund 200 Jahren erforscht wird – seit es dem britischen Forscher John Ross gelang, aus 2000 Meter Tiefe Würmer und einen Schlangenstern an die Wasseroberfläche zu bringen – wissen wir auch heute noch wenig über die Tiefen unserer Meere. Rund eine Viertelmillion Tiere wurden bisher gezählt, doch Forscher vermuten, dass sich noch mindestens eine Dreiviertelmillion bisher unentdeckter Tierarten dort aufhalten.

Wundersame Wesen, aber nicht hübsch

Die Tiefsee etwa hundert Kilometer vor der Küste Australiens wurde nun zum ersten Mal erforscht. Auf der 31-tägigen, von der Organisation Museums Victoria geführten Forschungsreise von Tasmanien bis in den Norden von Queensland kartografierten Wissenschaftler den Meeresboden und schickten in regelmäßigen Abständen einen metallenen Behälter in die Tiefe, um Lebewesen einzufangen.

Zum Vorschein kamen über 1000 wundersame und teils bizarr aussehende Wesen – ein Drittel davon Tiere, die die Wissenschaft bisher nicht kannte. Darunter war der gesichtslose Fisch ohne Augen, der bereits zum Internethit wurde, und den Forscher zum letzten Mal vor 140 Jahren in australischen Gewässern aufgefunden hatten. Aus unterschiedlichen Tiefen wurden auch ein Zigarrenhai mit messerscharfen Zähnen, ein Dreibeinfisch mit stelzenartigen Beinen und ein leuchtend roter Fisch, der zur Gruppe der Anglerfische gehört, an die Oberfläche geholt. Letzterer ist möglicherweise eine neue Art, der – wie auch seine Verwandten – seine Beute mit einer Art Angel am Kopf anlockt. Auch ein glibberiger Blobfisch ging in den Tiefen „ins Netz“. Ein anderes Exemplar dieser Fischart war 2013 zum hässlichsten Tier der Welt gewählt worden. 

Glühendes Leben in ewiger Finsternis

Auf einem Wal-Kadaver fanden die Forscher Zombie-Würmer und fleischfressende Krustentiere. Auch fleischfressende Schwämme, tiefrote Asselspinnen und Seeschweine, eine Art Seegurke mit Beinen, die als „Staubsauger“ der Tiefsee gelten, kamen ans Tageslicht. 

Viele der gefangenen Tiere waren biolumineszent. Der belgische Meeresforscher Jérôme Mallefet testete rund 200 der Tiere im Labor und mehr als die Hälfte erzeugten Licht. Eventuell wären es noch deutlich mehr gewesen, doch leider überlebten die wenigsten Tiere die vier Kilometer lange Reise vom Meeresboden bis an die Oberfläche. „Was ich hier gesehen habe, ist die Reaktion, die sie mir an der Oberfläche geben“, sagte Mallefet dem Guardian. „Aber wir haben keine Ahnung wie die Biolumineszenz dort unten funktioniert.“ 

Gefährdete Tiefsee

Neben der Schatzkiste an Lebewesen holte das Team jedoch auch Unmengen an Müll vom Meeresboden hoch. „Wir sind 100 Kilometer von der Küste Australiens entfernt und haben PVC-Rohre, Farbdosen, Flaschen, Bierdosen, Holzspäne und andere Trümmer aus den Tagen, als Dampfschiffe durch unsere Gewässer fuhren, gefunden“, sagte Tim O’Hara, ein Museumskurator und der Chefwissenschaftler der Expedition. „Auf dem Meeresboden liegen 200 Jahre an Müll.“ 

Auch dieser Fund mache eine Expedition wie die jetzige und die Erfassung des Meeresbodens und der Lebewesen so wichtig für die Menschheit. „Wir sind die Verwalter dieses Stücks Erde und es ist wichtig, dass wir Grunddaten haben, damit wir es vor den Einflüssen von Klimawandel, Müll und anderer menschlicher Aktivität schützen können“, sagte der australische Forscher. Eine Auswahl der Funde soll später im Jahr im Melbourne Museum ausgestellt werden.

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Photo Credit Museums Victoria