Hintergrund


Russlands Weg zur Krim ist frei

16 Mai 2018 | aktualisiert 16 Mai 2018

Die neue Brücke zur Krim ist die längste Brücke in Russland. Seit Mittwoch rollen die Autos, im nächsten Jahr wird auch eine Eisenbahnbrücke in Betrieb genommen. Bei der Einweihung zeigte sich Präsident Putin begeistert. Ein aus der Zarenzeit stammender Traum sei verwirklicht worden.

Moskau. In den frühen Morgenstunden hat am Mittwoch der reguläre Autoverkehr über die neue Brücke begonnen. Sie führt von der russischen Taman-Halbinsel nach Kertsch auf der Krim und wurde ein halbes Jahr früher als geplant fertig. Bei der feierlichen Eröffnung am Dienstag hatte Präsident Wladimir Putin sich den Triumph nicht nehmen lassen. Er fuhr an der Spitze einer Baukolonne aus 36 Fahrzeugen als erster hinüber. Der Präsident saß am Steuer eines schweren KAMAZ-Lastkraftwagens, den Bauleiter des Projektes als Beifahrer neben sich.

Kribbeln auf der Haut und innere Befriedigung

Am Krimufer angelangt, hielt Putin eine kurze Rede vor Ingenieuren und Bauarbeitern. Die Brücke bezeichnete er als „schick“ und den Tag des Bauabschlusses als „im wahrsten Sinne historisch“. Von dieser Brücke hätten die Russen bereits unterm Zaren geträumt. Nun sei dieser Traum „dank eurer Arbeit und eurem Talent“ in Erfüllung gegangen. Der Generalauftragnehmer, Putins Jugendfreund Arkadi Rotenberg, sagte dem Fernsehsender Rossia-24, er verspüre „ein Kribbeln auf der Haut“ und „ein Gefühl der inneren Befriedigung“.

Russlands längste Brücke

Mit 19 Kilometern ist die neue Brücke die längste in Russland. 11,5 Kilometer davon verlaufen auf dem Trockenen und 7,5 Kilometer über dem Wasser. Zwei Spuren führen zur und zwei von der Krim weg. Parallel zur Autobrücke wird an einer Eisenbahnbrücke gebaut. Die Durchlasskapazität der Gesamtbrücke soll am Ende 40.000 Autos und 47 Züge in beide Richtungen täglich erreichen, was 14 Millionen Fahrgästen und 13 Millionen Tonnen Fracht im Jahr entspreche, heißt es. Unterhalb der Brücke sind Durchfahrten für Schiffe vorgesehen, die eine Länge von je 227 und eine Höhe von 35 Metern haben. Die Brücke beginnt auf der Taman-Halbinsel und verläuft weiter auf einem fünf Kilometer langen Damm und der natürlichen Tuzla-Insel.

Anfang dieses Jahres wusste noch niemand etwas von der bevorstehenden vorgezogenen Einweihung der Autobrücke. Erst in seiner Botschaft an das Parlament im März verkündete Putin die Sensation: Der Autoverkehr zwischen Russland und der Krim solle nicht wie geplant im Dezember, sondern schon in einigen Monaten beginnen. Am 14. März besuchte der Präsident den Bau, um sich die bereits fertige Strecke anzuschauen.

Eisenbahnbrücke wird erst 2019 fertig

Mit der Eisenbahnbrücke geht es freilich nicht annähernd so schnell. Gleisstrecken und -anlagen auf dem russischen Festland und auf der Krimseite müssen noch in großem Umfang gebaut werden. Dafür werden es vollkommen neue, hochmoderne Anlagen. Auf seine tolle Spielzeugeisenbahn muss Putin allerdings noch gut ein Jahr warten.

Mit der Brücke erhält die 2014 von Russland annektierte Krim wieder einen Straßenzugang zum Festland. Die Ukraine hat die beiden bestehenden Zugänge zur Halbinsel, die völkerrechtlich zu ihrem Land gehört, nach der Besetzung durch russische Truppen gesperrt.