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Bild: IAEA Imagebank

Tepco muss Fukushima-Opfer entschädigen

10 Oktober 2017 | aktualisiert 11 Oktober 2017

Ein japanisches Gericht hat den Kraftwerkbetreiber Tepco und die Regierung dazu verurteilt, die Bewohner der Region zu entschädigen. Geklagt hatten rund 3800 Anwohner wegen der Nuklearkatastrophe in Fukushima von März 2011.

Tokio. Das Distriktgericht von Fukushima hat die Betreiberfirma des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi und den japanischen Staat zur Zahlung von Schadensersatz für die psychische Belastung der Kläger durch den Unfall verurteilt. Dies ist bereits das zweite Mal, dass ein Gericht den Staat mitverantwortlich für den schlimmsten Atomunfall seit Tschernobyl macht.

30 Sammelklagen wegen Fukushima

In dem am Dienstag verkündeten Urteil wurden der Staat und die Betreiberfirma Tepco zur Zahlung von insgesamt 500 Millionen Yen (3,78 Millionen Euro / 4,35 Millionen Franken) an 3800 Kläger aufgefordert.

Dies war die größte von insgesamt rund 30 Sammelklagen im Zusammenhang mit der Fukushima-Katastrophe. In den meisten anderen Gerichtsverfahren steht das Urteil in der ersten Instanz noch aus. Insgesamt haben mehr als 12.000 Menschen den Staat und die Tepco auf Schadensersatz verklagt. Das Distriktgericht Fukushima war bereits das zweite Gericht, das auch den Staat schuldig gesprochen und zu Schadenersatz verurteilt hat. Ein drittes Gericht in der Präfektur Chiba hatte im September den Staat dagegen von Schadenersatzzahlungen freigesprochen.

Die Kläger in Fukushima stammten aus unterschiedlichen Regionen der Präfektur. Einige haben ihre Heimat ohne offiziellen Evakuierungsbefehl verlassen, der Großteil war jedoch trotz der zum Teil stark erhöhten Strahlenwerte geblieben.

Gericht: Katastrophe war zu verhindern

Die Kläger argumentierten, dass sie unter der psychischen Belastung litten, die entstanden sei, nachdem ihre Lebensumstände durch den Atomunfall in ihren Grundfesten erschüttert worden seien. Das Gericht folgte der Argumentation der Kläger, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können, wenn das Industrieministerium die Tepco aufgefordert hätte, die Notstromaggregate aus den Kellerräumen des Kraftwerks in höhere Stockwerke zu verlegen. Denn eine offizielle Studie aus dem Jahr 2002 hatte gewarnt, dass das Risiko besteht, dass ein bis zu 15,7 Meter hoher Tsunami das Kraftwerk trifft. Im Jahr 2008 habe eine weitere Studie gewarnt, dass ein Tsunami möglicherweise einen Stromausfall in dem AKW auslösen könnte. Wieder seien keine Vorkehrungen getroffen wurden, so die Kläger.

Sowohl die Regierung als auch die Tepco hatten dagegengehalten, dass diese Einschätzung kein etabliertes Wissen gewesen sei und dass der Tsunami nicht vorhersehbar gewesen sei. Am 11. März 2011, traf tatsächlich ein 14 Meter hoher Tsunami das Kraftwerk und zerstörte sämtliche Kühlsysteme. Die Folge war eine dreifache Kernschmelze, bei der große Mengen Radioaktivität freigesetzt wurden.

50.000 bleiben evakuiert

In einem Umkreis von 20 Kilometer wurde die Region um das Kraftwerk evakuiert. Noch immer verbietet der Evakuierungsbefehl mehr als 50.000 Menschen die Rückkehr in ihre Häuser.

Auch in vielen Regionen, die keinen Evakuierungsbefehl erhalten hatten, wurden zum Teil stark erhöhte Strahlenwerte gemessen. In diesen Regionen entschlossen sich viele Menschen freiwillig, ihre Heimat zu verlassen.

Die Kläger, die nicht aus der ehemaligen Sperrzone stammen, hatten ferner gefordert, dass die Tepco und die Regierung dafür sorgen, dass die Strahlenwerte in der Umgebung ihrer Häuser wieder auf das Niveau vor dem Unfall zurückgehen. Diese Forderung wies das Gericht jedoch ab.