Hintergrund


Tom Hanks erzählt von schrägen Typen

13 Februar 2018 | aktualisiert 13 Februar 2018

Der Schauspieler Tom Hanks hat 16 Geschichten über „Schräge Typen“ geschrieben, ein interessantes, aber nicht ganz gelungenes literarisches Debüt. Hanks erzählt von guten Amerikanern und lässt dabei die Erfahrungen aus seinen Filmen einfließen.

„Ich bin Tom. Ich tippe gerne. Verstanden?“ schrieb Tom Hanks, 61, in einem Gastbeitrag für die „New York Times“. Er tippt auf Schreibmaschine, von denen besitzt der Schauspieler und Oscar-Preisträger 250 Stück, darunter ein Exemplar der Marke Erika aus der DDR. „Alles, was man auf der Schreibmaschine tippt, klingt bedeutend“, schreibt er. Auch seine Geschichten schrieb er dort anfangs, gab das dann aber auf, weil es zu umständlich war. 16 dieser Geschichten liegen nun in dem Debütbuch „Schräge Typen“ vor.

„Die Verlegerin“ läuft im Kino

Hanks war in den letzten Jahren zu Dreharbeiten in europäischen und amerikanischen Städten. Derzeit läuft in Deutschland und im Tessin der Thriller „Die Verlegerin“, in dem Meryl Streep und er die Hauptrollen spielen. In der restlichen Schweiz und in Österreich steht der Kinostart kurz bevor. Hanks Figurenkabinett „Schräge Typen“ schildert Kinostars, Schauspielerinnen, die am Broadway den Durchbruch schaffen wollen, Kinder, die an ihren Eltern leiden, und US-Kriegsveteranen, die behindert sind und probieren, ins Leben zurückzukommen. Der Leser erkennt schnell, dass Hanks stark geprägt ist von seinen Filmrollen, souverän hat er agiert in „Forrest Gump“, „Der Soldat James Ryan“, „Apollo 13“ oder „Polarexpress“. Er ist der Lieblingsschauspieler von Regisseur Steven Spielberg. Das alles taucht als Echo auf.

In der besten Geschichte „Alan Bean plus vier“ erzählt der Autor von vier jungen Leuten, die im Garten an einer Mondrakete basteln und damit tatsächlich ins Weltall starten. Mit Hilfe von Apps berechnen sie den Kurs, das gerät zur mächtigen surrealen Gaudi, in der Hanks sein Astronautenkauderwelsch aus dem Film noch mal abspulen kann. Unterhaltsam ist das, weshalb die Weltraumfahrer noch mehrfach im Buch vorkommen.

Hanks erzählt von guten Amerikanern

Die anderen Erzählungen sind unterschiedlich. Eher banal ist die Geschichte „Drei erschöpfende Wochen“, in denen ein älterer Mann seinen Leidensweg als Getriebener seiner sehr viel jüngeren Sport- und Fitnessfreundin schildert, was ihn am Ende krank macht. Nett, wird aber schnell dröge. In „Heiligabend 1953“ lernen die Leser den Geschäftsmann Virgil Beuell kennen, der Weihnachtsgeschenke im Kofferraum hortet, sein Büro schließt und in starken Schneefall gerät. Zu Hause angekommen, wird er von seinem Kumpel Bud angerufen, mit dem er zehn Jahre zuvor als Soldat in der Normandie landete. Krieg, die damit verbundene Angst und Kälte sind in Hanks Erzählungen oft die Kulisse. So auch hier, als der Leser am Ende erfährt, dass Virgil eine Prothese trägt und froh sein kann, dass er das Grauen überlebt hat.

Hanks ist ein guter Amerikaner, deshalb sind auch seine Figuren tapfere Leute. Zwar bloß Durchschnitt, aber eben Gute. Das Richtige und Wahre setzt sich gegen alle Skrupel durch. Hanks schreibt über eine Welt mit Werten, die so nicht mehr existiert, womöglich nie existiert hat. Nur so erklärt sich auch die Geschichte eines Technologie-Freaks, der sich als Selfmade-Milliardär auf eine sündhaft teure Zeitreise in das New York von 1939 zur Weltausstellung beamen lässt. Wobei der unverbesserliche Nostalgiker sich sogar in einer Frau aus der Zeit verliebt. Die Geschichte des Zeitreisenden ist drollig, es fehlt ihr aber – wie anderen Erzählungen – an psychologischer Tiefe.

Kritik einfach hingenommen

Hanks hat die Kritik an seinem Schreiben einfach hingenommen. In seinem Alter habe er „keine Zeit darüber zu lesen, wie gut oder schlecht ich etwas gemacht habe. Lasst es einfach da sein“, sagte er der „New York Times“. Auf jeden Fall hält er konsequent am amerikanische Traum fest. Auch er ist ein Nostalgiker.

Tom Hanks: „Schräge Typen. Stories.“ Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence. Piper, München, 352 S., 22 €.