Hintergrund


Türen öffnen sich per Zauberhand

10 November 2017 | aktualisiert 10 November 2017

Eine australische Forscherin hält Mikrochips für eine der Zukunftstechnologien. Sobald das bargeldlose Bezahlen per Hand möglich ist, werden die meisten einen Mikrochip unter der Haut haben wollen, glaubt sie. Bislang werden sie zum Öffnen von Türen eingesetzt.

Sydney. Kayla Heffernans Hände schauen aus wie alle anderen auch. Dabei hat sie zwei Mikrochips implantiert. Einer ist auf der Außenseite der Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger, eingesetzt, der andere am Rand der zweiten Hand. Wenn sie mit einem Finger nachfühlt, kann sie das reiskorngroße Gebilde unter der Haut ertasten. Die meiste Zeit registriere man den Chip jedoch nicht mal, sagt die Australierin.

Heffernan ist überzeugt davon, dass Mikrochips eine der Technologien der Zukunft sind. Sie schreibt an der Universität von Melbourne eine Doktorarbeit über die Anwendungsfelder der Implantate, die bisher geschätzte 50.000 Menschen weltweit im Körper tragen.

Per Spritze unter die Haut

In Heffernans Fall öffnet Mikrochip Nummer eins ihre Haustür, wenn sie ihre Hand vor dem Lesegerät wedelt, der zweite gewährt ihr Zutritt zum Büro in der Universität. Heffernan hat sich die Mikrochips mit einer Spritze unter die Haut spritzen lassen. „Es heilt schneller als ein Piercing“, sagt sie über die Wunde. Die ersten paar Tage sei es ein wenig empfindlich. „Dann kann es ein bisschen blau anlaufen und danach merkt man es überhaupt nicht mehr.“

Allzu viel können die winzigen Chips bisher nicht, doch sie sparen Zeit. Die gängigen sogenannten RFID-Chips übermitteln dabei via Radiowellen gespeicherte Informationen an ein Lesegerät. „Das hilft mir, nicht ausgesperrt zu werden“, sagt Heffernan, die in der Vergangenheit schon mal ihre Schlüssel vergessen hat. Über die Chips lassen sich auch Telefone entsperren oder kleine Datenmengen speichern, zum Beispiel die eigene Visitenkarte, die dann zum LinkedIn-Profil führt oder eine Webseite öffnet, wenn man den Chip an ein Handy mit Nahfeldkommunikation (NFC) hält.

Erste Unternehmen und Festivals als Pioniere

In Schweden testet die Bahn derzeit bereits Implantate als Fahrkarten und auch die Firma Epicenter Routine implantierte ihren Mitarbeitern die Chips unter die Haut als Alternative zu einer Magnetstreifenkarte. In den USA bietet das Jungunternehmen Three Square Market seinen Mitarbeitern Mikrochips an, um Zugang zum Gebäude des Unternehmens zu erhalten, für den Kopierer, einen Snack-Automaten und um sich in ihre Computer einzuloggen.

In Australien wird die neue Technologie derzeit als Eintrittskarte für ein Festival getestet. Zehn Freiwillige tragen die Mikrochips drei Monate unter der Haut, die ihnen beim Pause Festival in Melbourne im Februar dann Zutritt gewähren werden. Während des Technologie- und Kulturfestivals sollen die Freiwilligen dann auch über ihre Erfahrungen diskutieren.

Noch haben viele Vorbehalte

Laut Heffernan haben jedoch nach wie vor viele Menschen Berührungsängste, da sie glauben, dass die Implantate getrackt werden und sie damit überwacht werden könnten. „Doch die Leute verstehen die Technologie nicht“, ist Heffernans Meinung. „Die Chips haben gar nicht genug Power, sie funktionieren wirklich nur an einem Lesegerät.“

Heffernan schätzt, dass Mikrochips trotz der Vorbehalte eine der zukunftsweisenden Innovationen sind. „Wir werden das definitiv mehr und mehr sehen“, sagt die Australierin. „Vor allem wenn die Chips eine Bezahlfunktion haben.“ Möglich sei das jetzt schon, doch die Banken würden sich derzeit noch sperren, weiß die Expertin. Dies könne sich jedoch mit dem VivoKey ändern, einem Implantat, das kryptographische Schlüssel besitzt. Diese Plattform sei nochmal sicherer.

Doch selbst bei diesen Produkten begegne sie derzeit noch Skeptikern: „Es gibt Menschen, die Angst haben, dass ihnen jemand den Arm abschneiden könnte, um an ihre persönlichen Daten zu gelangen“, sagt Heffernan. Letzteres hält die Expertin jedoch für ein höchst unrealistisches Szenario.