Hintergrund


Wilson packt auf Twitter aus

12 November 2017 | aktualisiert 13 November 2017

Auch die australische Hollywood-Schauspielerin Rebel Wilson ist während ihrer Karriere sexuell belästigt worden. Jetzt teilte die resolute Schauspielerin das Erlebnis in drastischen Worten. Den Namen des Täters hielt sie jedoch geheim.

Sydney. Seit den Enthüllungen über Filmproduzent Harvey Weinstein sprechen immer mehr Frauen in Hollywood offen über die sexuelle Belästigung am Set. Die australische Schauspielerin Rebel Wilson packte nun auf Twitter aus – in ihrer gewohnt direkten Art. 

Die „Pitch Perfect”-Schauspielerin, die gerade noch einen Verleumdungsprozess gegen den deutschen Verlag Bauer Media gewonnen hatte, schrieb am Wochenende, wie ein männlicher Schauspieler, der in einer „Machtposition“ gewesen sei, sie dazu brachte, in ein Zimmer mit ihm zu gehen. Die Identität des Schauspielers machte sie nicht bekannt.

 „Machtposition“ missbraucht

„Ich war in einer Art ‘Blase‘, habe im Ausland an einer neuen Komödie gearbeitet“, schrieb die 37-Jährige am Wochenende auf Twitter. Aber es sei so schwer, all diese Geschichten über sexuelle Belästigung und Übergriffe in Hollywood zu hören. „Wie ihr wisst, bin ich eine ziemlich starke und selbstbewusste Person, aber selbst ich habe eine Geschichte zu erzählen.“

Ein männlicher Star in einer „Machtposition” habe sie gefragt, mit ihm aufs Zimmer zu gehen. Dort habe er sie mehrmals gebeten, „meinen Finger in seinen Arsch hochzustecken“, schrieb die Australierin. „All das, während seine männlichen 'Freunde' versuchten, den Vorfall auf ihren iPhones zu filmen und lachten.“ Sie habe mehrmals „nein“ gesagt und das Zimmer letztendlich verlassen. 

 „Das Ganze war ekelhaft“

Sie habe sofort ihren Agenten angerufen und ihr Anwalt habe beim Studio eine Beschwerde eingereicht. „Im Grunde genommen, um mich davor zu schützen, dass ich, falls etwas Ähnliches nochmal passierte, in der Lage sein würde, den Job an den Nagel zu hängen und nicht zur Rückkehr gezwungen werden würde.“

Im nächsten ihrer insgesamt neun Tweets, in denen sie ihre eigenen Erlebnisse sexueller Belästigung teilte, schrieb Rebel Wilson: „Später wurde ich von einem der Sprecher des Stars bedroht, nett zu sein und den Star zu unterstützen. Ich habe abgelehnt. Das Ganze war ekelhaft.“ Sie habe die Geschichte nicht für sich behalten, sondern sie Hunderten anderen in deutlich mehr Detail geschildert, um sie vor dieser Person zu warnen.

Telefonanruf rettete die Situation

In einem fünften Tweet schrieb sie über ein weiteres Hotelzimmer-Erlebnis mit einem bekannten Regisseur – ebenfalls, ohne dessen Namen zu nennen. „Ich dachte, wir seien da, um über Komödien zu sprechen.“ Es sei nichts wirklich passiert, da die Frau des Mannes angerufen und ihn übers Telefon beschimpft habe, dass er immer mit Schauspielerinnen schlafe und glücklicherweise habe sie so laut geschrien, dass sie sie hören konnte und sie habe sich dann sofort aus dem Staub gemacht. „Ich war so naiv – der Gedanke, dass irgendetwas passieren könnte, außer über die Arbeit zu sprechen, kam mir nicht mal in den Sinn“, schrieb sie. 

In einem eher nachdenklich anmutenden Absatz fügte sie hinzu, dass sie wohl Glück gehabt habe, in einem für Frauen positiven Umfeld aufzuwachsen, dass sie eine Mädchenschule besucht habe, sehr selbstbewusst sei und Unterricht in Selbstverteidigung genommen habe. „Ich hatte die Möglichkeit, bei beiden Vorfällen zu entkommen”, schrieb Wilson. Aber ihr sei klar, dass nicht jeder so viel Glück habe. 

Schluss mit Höflichkeit 

In Zukunft werde sie, wenn sie so ein Benehmen beobachte, ob bei sich selbst oder bei jemandem, den sie kenne, nicht mehr länger höflich sein, wobei sie das Wort „höflich“ in Großbuchstaben tippte. „Interpretiert das, wie ihr wollt“, schrieb sie zum Abschluss ihrer Twitter-Tirade – ein Satz, der sich wie eine Drohung der kräftigen Schauspielerin an ihre männlichen Kollegen anhörte.