Hintergrund


Xenia Sobtschak will Opposition einen

14 November 2017 | aktualisiert 14 November 2017

Die umstrittene Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak hat die Mitbewerber Nawalny und Jawlinski aufgerufen, sich vor der Wahl im März zusammenzuschließen. Sobtschak gilt als Marionette von Präsident Putin.

Moskau. Xenia Sobtschak will mit den demokratischen Mitbewerbern Alexej Nawalny und Grigori Jawlinski gemeinsame Sache machen. Dann habe man bei der Wahl im kommenden März eine Chance. „Wenn wir uns gegenseitig vertrauen, sind wir fähig, den Gegner auszustechen, dessen Sieg vorentschieden zu sein scheint“, schreibt sie auf ihrer Webseite im Internet, ohne Wladimir Putin namentlich zu nennen.

Zu ewigem Dank verpflichtet

Damit schlägt sie einen ganz neuen Ton an. Bei der Bekanntgabe ihrer Absicht, für das höchste Staatsamt zu kandidieren, hatte sie am 18. Oktober erklärt, sie werde Putin niemals einen Schlag versetzen, weil sie ihm zu Dank verpflichtet sei. 1996 hatte er die Flucht ihres Vaters, des Ex-Bürgermeisters von St. Petersburg Anatoli Sobtschak, nach dessen Wahlniederlage mit einem finnischen Sportflugzeug nach Paris organisiert. Vor der Ankündigung ihrer Kandidatur hatte Xenia Sobtschak sich auch mit Putin abgestimmt.

PARNAS und Splittergruppen

Ursprünglich stammte die Idee eines demokratischen Zusammenschlusses vom Vorsitzenden der Partei PARNAS, Michail Kassjanow. Am Montag schlug er Sobtschak, Nawalny und Jawlinski vor, sich zu Gesprächen über die Bildung einer Koalition für die kommende Präsidentschaftswahl zusammenzusetzen. Er wandte sich außerdem an demokratische Parteipolitiker wie Andrej Netschajew, Boris Titow sowie an den im Exil lebenden Michail Chodorkowski, sich „um eines gemeinsamen Sieges willen“ daran zu beteiligen. Bei den erwähnten Parteien handelt es sich vorwiegend um Splittergruppen ohne nennenswerten Einfluss.

Vorteil bei der Unterschriftenkampagne

Wenn Sobtschak sich von einer amtlich registrierten Partei nominieren lässt, bekommt sie einen spürbaren Vorteil. Für die Anerkennung als Kandidatin muss sie dann nur 100.000 Wählerunterschriften vorlegen statt 300.000, die sie als unabhängige Kandidatin aufbringen müsste. Die Unterschriftenkampagne kostet richtig Geld. Xenia will umgerechnet rund 650.000 Dollar (557.000 Euro / 647.000 Franken) an eigenen Mitteln aufbringen. Außerdem hat sie nach eigenen Worten zwei Sponsoren, die sie jetzt noch nicht nennen wollte. Natürlich spekuliert sie darauf, dass sie bei Zustandekommen einer demokratischen Koalition als deren gemeinsame Kandidatin anerkannt wird.