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Schweiz sollte Chance bei Datenwirtschaft nutzen

16 Mai 2018 | aktualisiert 16 Mai 2018

Zürich - Mit der neuen EU-Datenschutzverordnung erhalten betroffene Personen auch das Recht auf Datenübertragbarkeit und damit eine digitale Selbstbestimmung. Dass die Schweiz kein vergleichbares Recht einführen will, ist laut Schweizer Datenexperten eine verpasste Chance.

Ausser dem Auskunftsrecht, dem Recht auf Berichtigung und dem Recht auf Löschung werden betroffene Personen mit der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ab Ende Mai auch ein Recht auf Datenübertragbarkeit erhalten. Dabei handelt es sich „gewissermassen um ein Recht auf Kopie der eigenen Personendaten“, wie André Golliez, Präsident von Swiss Data Alliance, und Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne/ZH) in einem Meinungsbeitrag in der „Neuen Zürcher Zeitung“ schreiben.

Datenbearbeiter werden also verpflichtet, jeder Person eine maschinenlesbare Kopie der Daten zugänglich zu machen, die sie betreffen. Die Daten können sie dann für nichtkommerzielle Zwecke zur Verfügung stellen oder Dritten verkaufen. Es handelt sich laut dem Artikel um eine riesige Menge an Daten. Sie betreffen nicht nur Kontaktformulare, sondern auch Daten, welche die meisten Menschen heute durch ihre Aktivität automatisch generieren – zum Beispiel Standortdaten, welche durch die Nutzung eines Mobiltelefons entstehen. Die Gesamtheit der Daten ermöglicht eine ganze Reihe neuer Anwendungen. Sie könnten etwa bei der automatischen Analyse von Ernährungsgewohnheiten helfen.

„Dass der Bundesrat kein mit der EU vergleichbares Recht auf Kopie einführen will, bedeutet eine verpasste Chance“, halten die Autoren des Artikels fest. Statt abzuwarten, sollte die Schweiz besser innovative Lösungen im Bereich des persönlichen Datenmanagements entwickeln und eine internationale Vorreiterrolle auf diesem Gebiet einnehmen. „Swiss Data sollte in Zukunft nicht nur ein Synonym für sichere Daten sein, sondern auch für die umfassende Respektierung der digitalen Selbstbestimmung“, so die Autoren. Dabei betonen sie unter anderem auch, dass Schweizer Unternehmen sich ab dem 25. Mai ohnehin der DSGVO der EU und damit auch dem Recht auf Datenübertragbarkeit unterziehen müssen. „Sollen diese Rechte in der Schweiz dann nur für Kunden aus der EU gelten?“  ssp